Green Shooting": Thema beim Wissenschaftsfestival Stuttgart, Media Tasting und auf dem Filmfest München

Umwelt- und klimafreundliches Produzieren weckt immer mehr Interesse

In Zeiten des Klimawandels wird es immer wichtiger, dass sich jede Branche mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Auch die Filmbranche ist davon nicht ausgenommen, da sie nach wie vor sehr hohe CO2-Emissionen verursacht. Seit diesem Jahr soll eine Selbstverpflichtung dafür sorgen, dass Filmproduktionen ökologisch nachhaltiger werden. Dafür engagiert sich die MFG bereits seit Jahren sehr intensiv, so vor allem im Arbeitskreis „Green Shooting", bei dem wichtige Firmen und Förderer der Branche verterten sind.

Einladung zur Diskussion „Kann Stuttgart Modellstadt für grünes Drehen werden?“, 24. Juni, 15 Uhr in Stuttgart

Wir laden zusammen mit unserem Kooperationspartner CinEuro herzlich zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung am Freitag, den 24. Juni ein, bei der Vertreter*innen der Stadt Stuttgart, der Film Commissions Region Stuttgart und Freiburg sowie Filmschaffende aus der Region sich mit der Frage „Kann Stuttgart Modellstadt für grünes Drehen werden?“ auseinander setzen.Ziel der Veranstaltung ist es, Impulse für grünes Drehen in Stuttgart zu liefern um die Stadt als attraktiven, grenzüberschreitenden Filmstandort zu erhalten und zukunftsfähig zu machen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des 2. Stuttgarter Wissenschaftsfestivals statt.

Datum: 24. Juni 2022, 15:00 bis 16:30 Uhr mit anschließendem Get Together / Ort: Design Offices, Eberhardstr. 65, 70173 Stuttgart

Teilnehmer*innen der Diskussionsrunde:

  • Jan Kohlmeyer (Leiter Stabsstelle Klimaschutz Stadt Stuttgart)
  • Jens Gutfleisch (Film Commission Region Stuttgart)
  • Fabian Kiefer (Film Commssion Freiburg)
  • Gudrun Weiler (Green Consultant)
  • Maximilian Höhnle (MFG Baden-Württemberg)

Moderation: Vanessa Valkovic

3G-Nachweispflicht: Für die Teilnahme benötigen Sie einen 3G-Nachweis (vollständig geimpft, genesen oder negativ getestet).

 

„Green Shooting" war auch Thema beim letzten Media Tasting

Das Media Tasting ist eine in Stuttgart sowie online ausgerichtete Spitzenveranstaltung für Top-Entscheider*innen und -Expert*innen der Medien- und Kommunikationsbranche in Deutschland. Als ganzjähriger, rein digitaler Ableger der Media Tastings haben sich seit 2019 die Tasting Talks etabliert; eine hochkarätig besetzte, halbstündige Online-Talkreihe zu aktuellen Branchenthemen.

Beim letzten Live-Termin ging es unter dem MottoGreen Shooting – Wie grüne Produktionen den Medienmarkt nachhaltig machen“ um klimafreundliches Produzieren. MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen, der Vorsitzender des Arbeitskreises „Green Shooting“ ist – ein Zusammenschluss von Produktionsfirmen, Förderern und anderen Institutionen aus der Filmbranche – erläuterte dabei die Ziele und Prinzipien, die mit der Initiative gemeint sind, also die möglichst ressourcenschonende Produktion von Filmen und Serien.

Der Trend, die Ökobilanz bei der Filmproduktion zu verbessern, hat noch viel Potenzial, wie die live durchgeführte Umfrage von Media Tasting zeigte: Jeweils 25% der Zuschauer haben schon Erfahrung mit Green-Shooting gemacht oder aktuell einen nachhaltigen Dreh in Planung. Die andere Hälfte (50%) hat jedoch noch keine Erfahrung mit dieser neuen Produktionsart gemacht.

Zusammen mit Carl Bergengruen, der auch Mitbegründer des Media Tastings ist, diskutierten Laura Fischer, Produzentin und Regisseurin, sowie Michael Becker vom SWR die aktuelle Entwicklung. Sie berichteten im Gespräch mit Moderator Jörn Krieger von ihren Erfahrungen und geben Einblicke, wie Klimaschutz in der Medienbranche funktionieren kann. „Ein großer Teil der Firmen und Sender“ hat sich dazu verpflichtet, die ökologischen Mindeststandards einzuhalten, berichtete Bergengruen. Der Arbeitskreis Green Shooting führt die bisherigen, verschiedenen Kriterien der Produktionsfirmen und Filmförderer federführend zusammen – diese sind ab 1. Januar 2023 vereinheitlicht.

Ökologische Mindeststandards als gutes Argument

Mittlerweile sind die Fördergelder der MFG Baden-Württemberg an ökologische Mindeststandards gekoppelt. Von 14 Kriterien sollen bei Film- und Serienproduktionen mindestens 10 und bei studiobasierten Unterhaltungsproduktionen 11 Kriterien erfüllt werden. „Allein die Freiwilligkeit und Apelle haben leider nicht ausgereicht“ sagte Bergengruen und sieht „eine gewisse Trägheit“ in der Branche: Man merke, „dass die Umstellung lange dauert“. Jedoch sehe er auch Bewegung und „immer mehr Partner“, die sich über das Thema bewusst sind und „auch akzeptieren, dass vor allem in der Übergangsphase Mehrkosten entstehen.“ Stimmen, die grundsätzlich gegen nachhaltiges Produzieren seien, gebe es nahezu nicht mehr: „Dafür ist der Klimawandel zu weit fortgeschritten“.

„Wir haben relativ radikal grün gedreht und haben dabei sogar direkt Geld eingespart!“, sagte Laura Fischer, Produzentin und Regisseurin, die das Green Motion-Label mitentwickelt hat: „Beim Green Shooting geht es darum, CO2 beim Dreh sowie in der Vor- und Nachproduktion einzusparen. Es war für mich total schön, da ich die Umstellung gemerkt habe. Für alle von der Produktionsfirma und vom Team war es das erste Mal und alle haben total davon geschwärmt.“

Umstellung verursacht zuerst Mehrkosten, rentiert sich aber langfristig

Da unter anderem auch Dienstleistungen eingespart werden „ist ein bisschen mehr Aktion von jedem gefordert, aber ich hatte das Gefühl, es ist super fürs Team“. Zum Thema Kosten sagte Fischer: „Ich glaube Produktionen werden erstmal Mehrkosten haben, wenn sie umstellen, aber langfristig nicht mehr“. Dazu wurde das Team aber auch erfinderisch: „Wir haben ausprobiert, komplett ohne künstliches Licht zu drehen. Da spart man natürlich Geld.“

Michael Becker, Leitung Abteilung Szenische Herstellung Auftragsproduktionen & Nachhaltigkeit beim SWR, sagte zum Beginn der Nachhaltigkeitsbemühungen: „Zunächst ging es erstmal darum, zu identifizieren, welche Maßnahmen sinnvoll sind und an welchen Stellen man die Stellschrauben ansetzen kann.“ Beim SWR verfolge man das bereits seit fünf Jahren und ganz besonders bei Eigenproduktionen wie dem „Tatort“. Man sehe sich „in gewisser Weise als Vorreiter für die ARD“. Zur Umsetzung sagt er: „Viele Dinge sind rein organisatorischer Natur“ und entstehen dadurch, „dass Abläufe umgestellt werden“. Man stoße jedoch da an Grenzen, wo man „vom Markt abhängig“ ist: Themen wie Transport, Mobilität und die Bereitstellung klimafreundlicher Aggregate.

SWR Vorreiter bei den TV-Sendern

Becker gab einige Beispiele, wie Nachhaltigkeit „im Kleinen und im Großen“ funktionieren kann und nannte neben der Bereitstellung digitaler Drehbücher auch die subventionierte Anreise mit der Bahn statt dem Flugzeug oder die Umstellung auf LED-Lampen. Um das Thema bei Mitarbeitern und Partnern zu platzieren, empfahl er, „nicht mit Verboten zu agieren, sondern die Leute mitzunehmen und zu kommunizieren“. Den Arbeitskreis Green-Shooting lobte er als branchenweite Zusammenkunft aus „öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern, Förderern, Schauspielern und der Technik“. Zu den Mehrkosten durch nachhaltige Produktion sagt er: „Es bedarf einer Anschubfinanzierung, aber es wird sich normalisieren und Standard werden.“

Zum Abschluss präsentierte Gastgeber Frank Apfel noch seinen Wein des Tages: Der goldprämierten 2020er Riesling „vom Löss“ aus Rheinhessen vom Weingut Wittmann in Westhofen.
 

Weitere Diskussionsrunde beim Filmfest München am 30.6. für Branchenteilnehmer

Zum Thema Grünes Drehen/Nachhaltiges Produzieren findet für akkreditierte Teilnehmer auch eine Informationsveranstaltung auf dem Filmfest München statt, dem größten Festival im Süden der Republik, das vom 23.6.- 2.7. in verschiedenen Kinos und Veranstaltungsorten in der Innenstadt Münchens stattfindet.

Zusammen mit der Initiative Changemakers.film lädt die MFG Branchenteilnehmer*innen am Donnerstag, den 30. Juni, um 12:30 Uhr in den Theatersaal ins Amerikahaus. Dort diskutieren Filmschaffende wie Christine Rothe von der Produktionsfirma Constantin zum Thema „Green Motion - die Zukunft des Filmemachens ist nachhaltig“. Die Branchentage des Filmfests München finden vom 24. Juni bis 1. Juli statt. Zugangsvoraussetzung ist eine Industry-Akkreditierung.

Quelle: MFG Baden-Württemberg, Media Tasting, Changemakers.film

 

Mehr Infos:

Arbeitskreis Green Shooting

Media Tasting

SWR

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