Zur Lage der Filmtheater in der Pandemie

Die Corona-Pandemie verändert das Leben und Arbeiten in der Filmbranche dramatisch und das nun seit weit über einem Jahr. Ganz besonders vor den Filmtheatern machen die Einschränkungen nicht Halt, was den Kinobetreiber*innen ein enormes Durchhaltevermögen und viel Kreativität bei der Suche nach existenzerhaltenden Maßnahmen abverlangt. Premieren und Kinostarts wurden und werden immer noch verschoben oder ins Digitale verlegt. Mit dem Kauf von Gutscheinen und Popcorn bezeugten treue Kinobesucher*innen zwar ihre Solidarität gegenüber den Filmtheatern, Existenzen retten können diese Gesten aber nicht. Die leeren Kinosäle sorgen für fehlende Umsätze bei teilweise laufenden Kosten. Die finanzielle Unterstützung durch den Bund und das Land hilft in der Krise, aber die Sorge um die Zukunft bleibt. Wir haben nachgefragt, wie die Betreiber*innen der Kinos mit der Pandemie umgegangen sind, welche Möglichkeiten sich bieten, über die Krise hinweg zu bestehen und welche Erfahrungen die Filmtheater mit Streaming-Angeboten gemacht haben.

Text: LENA SCHWÄCKE

Vom kreativen Umgang mit dem Lockdown

Anfang November 2020 sind die Lichter in den Kinos zum zweiten Mal seit Beginn der Pandemie im März 2020 erloschen: »Wir hatten vom 4. Juni 2020 bis 1. November 2020 geöffnet«, erinnert sich MARGARETE SÖHNER von den Stuttgarter EM-Filmtheater-Betrieben Mertz. WALTER DEININGER, Betreiber des Brazilkinos in Schwäbisch Gmünd, erzählt von den großen Herausforderungen, denen er und sein Team sich mit der zweiten Schließung konfrontiert sahen. Sie standen kurz vor dem Start des 27. Internationalen KinderKinoFestivals KiKiFe: »Über 3.500 Schüler*innen und Lehrer*innen, Eltern mit ihren Kindern hatten sich für die Premieren und Wettbewerbsfilme angemeldet. Dann kam kurz vor Beginn des Festivals das Aus. Die Jahresplanung von Filmreihen und Events, Livemusikveranstaltungen mussten ebenfalls abgesagt werden.« Der erneute Lockdown war für WALTER DEININGER ein herber Schlag: »Nach dem ersten Lockdown hat es eine gewisse Zeit gedauert, bis wir das Niveau wie vor der Pandemie erreicht hatten. Im November war dann alles wieder dahin.«

 

»Wir haben im Hintergrund viel ›aufgeräumt‹, neu strukturiert, renoviert, Aktionen an geboten und vieles mehr.«

 

Auch die Stuttgarter Innenstadtkinos wurden von den Maßnahmen überrascht: »Wir hätten nicht geglaubt oder wollten nicht glauben, dass nach dem Shutdown im Frühjahr eine so lange zweite Phase, seit Anfang November 2020 bis jetzt, folgt. Über sechs Monate erneute Kinoschließung«, erzählt MARGARETE SÖHNER. Sie berichtet von ihrem kreativen Umgang mit den Schließungen: »Wir haben im Hintergrund viel ›aufgeräumt‹, neu strukturiert, renoviert, Aktionen angeboten und vieles mehr. Das eigentliche Geschäft war zwar weg, aber es gab viel anderes zu tun und voranzubringen. Außerdem haben wir versucht, »den Kontakt zu unseren treuen Kinogänger*innen und -interessent*innen über die Sozialen Medien und unseren Newsletter zu pflegen und sie auch durch eine wechselnde Deko am und um das Kino zu unterhalten. Wir wollten einfach zeigen, dass wir weiter für sie da sind.«

Öffnungsversuche

Von Frühjahr bis Herbst 2020 erlebten die Freiluft- und Auto kinos einen wahren Boom. Auch die Innenstadtkinos zeigten in diesem Zeitraum ihr Programm auf der Parkplatz-Leinwand. Dies war zwischen den Lockdowns für kurze Zeit die einzige Möglichkeit, Premieren und Kinostarts trotz Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften physisch durchzuführen. Von November 2020 bis März 2021 ging gar nichts mehr. Erste zarte Öffnungsversuche begannen wieder im März 2021.

Für fünf Wochen war das Spotlight auf die Tübinger Kinos gerichtet: Im Rahmen des Modellprojekts ›Öffnen mit Sicherheit‹ durften die Filmtheater ihre Türen für jene Besucher*innen öffnen, die einen aktuellen negativen Covid-19-Test vorlegen konnten. Von den Kinobetreiber*innen war nun Multitasking gefordert: Es galt, jede Menge Schnelltests durchzuführen, den Gästen umfangreiche Hygienemaßnahmen zu erläutern und auf deren strikte Einhaltung zu achten. Ein enormer Aufwand, der allerdings mit vollen Kinosälen belohnt wurde. So fand im Rahmen des Testmodells auch die Premiere des MFG-geförderten Films »Silver Skates« durch den Kinostar Filmverleih statt (siehe auch Seite 29). In den Tübinger Arthouse-Kinos Arsenal und Atelier wurden zwei weitere MFG-geförderte Produktionen gezeigt: »Jim Knopf und die Wilde 13« von DENNIS GANSEL und der Dokumentarfilm »Dear Future Children« von FRANZ BÖHM. Kurze Zeit später sorgte die Bundes-Notbremse für einen erneuten Lockdown, mit dem nicht nur der Modellversuch ein Ende fand: Auch die Auto- und Freiluftkinos, deren Saison langsam hätte beginnen können, waren nicht mehr möglich.

 

So fand im Rahmen des Testmodells auch die Premiere des MFG-geförderten Films »Silver Skates« durch den Kino star Filmverleih statt.

 

Den Kinobetreiber*innen bleibt aktuell neben den genannten Aktionen nur das Abwarten auf die Erlaubnis zur Öffnung. Denn eine bundesweite, verlässliche Öffnungsstrategie für die Filmtheater ist noch nicht kommuniziert und in vielen Bundesländern ist der Betrieb von Kinos inzidenzgebunden (Stand: 14. Juni). Aktuell appellieren die Kino- und Verleihverbände HDF Kino, AG Kino-Gilde, Bundesverband kommunale Filmarbeit, VdF und AG Verleih an die Länder, die Kinoöffnungen zum 1. Juli 2021 zu ermöglichen und diesen Termin rechtzeitig anzukündigen, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Die Verbände plädieren zudem dafür, die Bedingungen verbindlich festzuschreiben, unter denen die Kinos ihren Betrieb wieder eröffnen dürfen.

Hilfsmaßnahmen der Förderanstalten und der Politik

Um die Folgen der Pandemie für die Filmtheater abzufedern, startete die MFG Baden-Württemberg bereits vor dem ersten Lockdown im März 2020 ein umfangreiches Informations- und Beratungsangebot. Auch das Gesamtbudget für die alljährlichen Kinoprogrammpreise wurde durch das Land insgesamt auf rund 1,1 Millionen Euro erhöht. Jedes Kino, das im Jahr 2019 einen Kinopreis der MFG bekommen hatte, erhielt zudem eine nachträgliche Zusatzförderung von 5.000 Euro. Um die Kinos nicht zusätzlich zu belasten, verzichtete die MFG in 2020 ersatzlos auf alle Rückzahlungen aus den Kinoinnovationsdarlehen.

Auch am bundesweiten Hilfsprogramm für die Film- und Medienbranche in Gesamthöhe von 15 Mio. Euro beteiligte sich die MFG. Abgelöst wurde dieses Programm vom Ausfallfonds I und II von Bund und Ländern.

Ein wichtiges Signal kommt aus der Landespolitik: Aus dem im Mai 2021 veröffentlichten Koalitionsvertrag von Bündnis 90/Die Grünen und CDU unter dem Titel »Jetzt für Morgen. Der Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg« und insbesondere aus dem Impulsprogramm »Kultur nach Corona« geht hervor, dass die Kultur- und Kreativszene weiterhin unterstützt werden wird. Es umfasst Stipendien für Künstler*innen und Förderlinien u.a. auch für die Kinos, um die Folgen der Pandemie für die Kultureinrichtungen aufzufangen.

Streaming: Chance oder Risiko für das Kino?

Die Schließung der Kinos führte gleichzeitig zur Erschließung neuer Auswertungs- und Ausstrahlungswege. Neben Netflix, Amazon Prime und Co. gibt es heute Streaming-Anbieter für lokale Kinos wie Kino on Demand. Dieser Dienst – unterstützt von Creative Europe Media und der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen – stellte ein Konzept vor, das vorsieht, lokale Kinos durch Streaming zu stärken: Nutzer*innen können bei der Ausleihe eines Kinofilms ihr Kino der Wahl mit einer Spende unterstützen. Im Programm Kino on Demand laufen auch einige von der MFG geförderte Kinofilme wie »Systemsprenger« von NORA FINGSCHEIDT, »Invisible Sue – plötzlich unsichtbar« von MARKUS DIETRICH und »Und morgen die ganze Welt« von JULIA VON HEINZ. Letzterem gelang so ein pandemiekonformer Auswertungsweg: Am 29. Oktober 2020 ging der preisgekrönte Film bundesweit an den Start – vier Tage später ging die gesamte Kulturbranche in den zweiten Lockdown. Kurz darauf wurde »Und morgen die ganze Welt« als Stream auf Amazon Prime angeboten und seit Mai ist der Kinospielfilm nun auf Netflix und Kino on Demand verfügbar.

Mit dem Streamingdienst Kino on Demand haben auch die EM-Filmtheater-Betriebe Mertz erste Erfahrungen gesammelt: »Selbst haben wir keinen Streamingdienst. Das kann ein einzelner Unternehmer nicht leisten. Aber der Partner und Anbieter Kino on Demand bietet eine Lösung, um dieses Angebot als Kinobetrieb dann doch seinen Kunden möglich machen zu können. Der einzige Anbieter, der die Brücke zum Kino schlägt. Mit jeder ersten und jeder fünften Filmbuchung auf Kino on Demand gibt es einen Wertgutschein zur Einlösung beim nächsten Kinobesuch in einem aus gewählten Lieblingskino«, beschreibt MARGARETE SÖHNER das Geschäftsmodell von Kino on Demand.

Alternativ zu Kino on Demand arbeiten wenige kleinere Verleihe mit einem Konzept, das die Plattform Vimeo nutzt. »Sie bieten ihre für den Kinostart geplanten Filme über Vimeo gegen ein Onlineticket an und teilen die Einnahmen mit den Kinos«, so MARGARETE SÖHNER. Ein ähnliches Ver fahren hat auch WALTER DEININGER im Kino Brazil ausprobiert: »Wir haben Links von Verleiher*innen, die ihre Filme als Stream anbieten, auf unsere Website gesetzt.«

 

»Filme werden für das Kino gemacht.«

 

Diese Ansätze zur Abfederung der – im Übrigen nicht erst seit Ausbruch der Pandemie – krisengebeutelten Kinos waren häufig nicht so erfolgreich, wie es sich die Beteiligten gewünscht hätten. »Das Angebot wurde nicht nennenswert angenommen. Für mich ist das auch logisch. Es ist als ob wir mit einem Rennrad an einem Formel 1-Rennen teilnehmen«, beschreibt DEININGER. Von Seiten der Stuttgarter Innenstadtkinos fällt das Fazit etwas positiver aus: »Wir haben die Kooperation bereits seit Frühjahr 2019 und natürlich gab es eine Steigerung zur bisherigen Nutzung. Jeweils zum Beginn des Shutdowns war die Nutzungsrate intensiv. Dann immer nur, wenn wir über unser Marketing die Filme auf Kino on Demand intensiv beworben haben«, erläutert SÖHNER ihre Erfahrungen mit dem Streaming.

Die Implementierung von Streaming ist für einzelne Kino betreiber*innen nicht einfach. Zugleich wird das Streaming immer beliebter: Knapp die Hälfte aller deutschen Haushalte (20,43 Mio.) verfügt über mindestens ein Subscription-Video-on-Demand-Abonnement, laut einer am 5. Mai 2021 veröffentlichten Datenerhebung von Kantar Group Limited. DEININGER sieht in diesem wachsenden Marktanteil der Streamingdienste neben der – allerdings zeitlich begrenzten – Pandemie eine Gefahr für die Filmtheater: »Meiner Meinung nach lässt sich Streaming nicht aufhalten. Ich bin seit 40 Jahren Kinobetreiber und sehe das Kino durch Corona und die damit verbundene Stärkung der Streamingdienste, die einen massiven Zuwachs an Abonnenten gewinnen konnten und können, gefährdeter denn je.«

 

»Gemeinschaftlich Filme schauen und erleben, gemeinsam lachen und weinen, das Verabreden zum Kinobesuch, das Treffen vor und nach dem Film und die Gastronomie – das sind alles Dinge, die das Brazilkino ausmachen.«

 

Der Betreiber des Arthouse-Kinos vertritt das Motto: »Filme werden für das Kino gemacht.« Ganz ähnlich betrachtet auch MARGARETE SÖHNER die aktuelle Situation der Kinos: »Dass Streaming irgendwann kommen wird, und dass die beiden Angebote stärker nebeneinander im Wettbewerb stehen, war absehbar. Natürlich haben die Kinoschließungen in Folge der Pandemie das Gewicht zunächst Richtung Streaming dienste verlagert, da diese etwas anbieten konnten. Gleich zeitig ist durch die ›Streaming only‹-Situation auch der Wunsch gewachsen, wieder ins Kino zu gehen, und die Wahrnehmung des Kinos generell ist wieder stärker.«

Für beide macht die Rezeptionsweise den Unterschied: »Im Kino erlebt man Filme, zu Hause schaut man Filme«, so MARGARETE SÖHNER. Und auch WALTER DEININGER ist überzeugt: »Im Heimkino fehlt das Kinofeeling. Manche Filme funktionieren eben nur im Kino. Die Atmo sphäre in meinem seit 40 Jahren betriebenen Arthouse-Kino lässt sich nicht ersetzen. Gemeinschaftlich Filme schauen und er leben, gemeinsam lachen und weinen, das Verabreden zum Kino besuch, das Treffen vor und nach dem Film und die Gastro nomie – das sind alles Dinge, die das Brazilkino ausmachen.«

Die Kinos vermissen die Kinder und Jugendlichen

WALTER DEININGER beobachtet mit Sorge den sich auch in seinem Programmkino bemerkbar machenden soziodemografischen Wandel: »Ich blicke auf das Kino mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Meine Stammkund*innen sehe ich seit 40 Jahren. Leider werden die Besucher*innen immer älter. Es fehlt die Jugend.« Diesen Eindruck bestätigt die FFA-Studie mit dem Titel »Kinobesucher 2019«: Demnach lag 2019 das Durchschnittsalter der Kinogänger*innen in Deutschland bei 39,5 Jahren – mit steigender Tendenz (2018: 39,0 Jahre). Die Relevanz der Kinoleinwand für Kinder und Jugendliche liegt für DEININGER auf der Hand: »Wir wollen die Kinder ins Kino holen – weg vom Bildschirm.« Und auch SÖHNER sieht den Mehrwert von Filmtheatern für die jungen Besucher*innen: »Kino ist ein Treffpunkt und bietet Raum für das Gemeinschaftserlebnis. Zu Hause kann oder will man sich in einem gewissen jungen Alter nicht treffen. Es ist ein Freizeiterlebnis, das sich Jugendliche leisten können. Gleichzeitig kann es neben reiner Unterhaltung auch Blicke in andere Welten und Themen eröffnen.«

 

»Vielfalt statt Spezifizierung – dabei würden wir hier in den Innenstadtkinos bleiben.«

 

Sie sind der Überzeugung, dass die Durchmischung des Programms entscheidend ist, damit der Kinobesuch attraktiv bleibt: »Vielfalt statt Spezifizierung – dabei würden wir hier in den Innenstadtkinos bleiben«, fasst MARGARETE SÖHNER zusammen. Die Betreiber*innen balancieren auf einem schmalen Grat, um ihrem Stammpublikum gerecht zu werden und zugleich neue und jüngere Zielgruppen anzusprechen: Das bedeutet u. a. Renovierungen und Modernisierungen durchzuführen und dabei gleichzeitig das Ambiente beizubehalten, dem Publikum ein ausgewogenes Programmangebot zu machen zwischen Arthouse-Film und Mainstream.

Fazit: Die Zukunft der Kinos

Während der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen wagten Kinobetreiber*innen einen Blick über den eigenen Tellerrand: Auto- und Open- Air-Kino sowie digitale Auswertungswege rückten in den Fokus. Ob die Implementierung von Streaming-Angeboten auch zukünftig ein zweites Standbein darstellen kann, hängt aktuell noch individuell von den Betreiber*innen ab. Sicher ist: Ein unvermeidbar höherer Aufwand im Marketingbereich ist zeitintensiv und mit Kostensteigerungen verbunden. Hinzu kommt die notwendige Aneignung neuer, bisher fachfremder Kompetenzen.

Die Interviewpartner*innen wagen abschließend noch einen Blick in die Zukunft der Kinos: MARGARETE SÖHNER glaubt an die Kinos und hat mit dem Team der Stuttgarter Innenstadtkinos gezeigt, welche Möglichkeiten es trotz der Schließungen gab, Präsenz zu zeigen: »Kino hat sich schon vielen Veränderungen stellen müssen und gestellt. Wir würden eher sagen, das spornt an. Wie manch andere Branche, muss auch das Kino sich immer entwickeln und auf gesellschaftliche, technische und verbraucherbezogene Veränderungen reagieren oder von sich aus neue Schritte gehen. Der Kern, das, was Kino ausmacht, stirbt aber nicht.«

Und auch WALTER DEININGER sieht einen Weg in die Zukunft: »Ich habe mich in den ganzen Jahren nie gegen den Fortschritt gestellt. Mit dem Turmtheater in Schwäbisch Gmünd war ich einer der ersten Kinobetreiber, der einen Teil der Säle digitalisiert hat. Wir waren unter den ersten, die Kinosäle für Computergames nutzten und Wettbewerbe veranstalteten. Als Kinomacher*innen müssen wir uns positionieren und unsere Stärken herausheben.«
 

Wir bedanken uns recht herzlich bei MARGARETE SÖHNER und WALTER DEININGER für das Gespräch und die aufschlussreichen Einblicke in die Lage der Kinos in Zeiten der Pandemie.

 


Update

Laut einer am 16. Juni 2021 veröffentlichten FFA-Studie sank die Zahl der „Kinobesucher*innen 2020“ um 40 Prozent auf 15,4 Mio., die Zahl der gekauften Tickets p. P. ging um 45 Prozent zurück. Kinobesucher*innen kauften p. P. durchschnittlich 2,4 Tickets.

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass es im Jahr 2020 insgesamt 13,2 Mio. und damit im Vergleich zum Vorjahr (6,0 Mio.) mehr als doppelt so viele Abwandernde aus dem Kinomarkt gab. Davon entschieden sich 5,5 Mio. für die Nutzung von u. a. SVoD (3,8 Mio.), DVD/Blu-ray (1,8 Mio.) und TVoD (1,0 Mio.). Die Überschneidung zwischen SVoD-Abonnent*innen, die auch Kinobesucher*innen sind, liegt bei 42 Prozent.

Ein Lichtblick für 2021: Der Wunsch nach einem Kinobesuch wächst signifikant. Wollten im Juli 2020 nur 51 Prozent der Befragten nach einer Öffnung wieder mindestens so häufig wie zuvor ins Kino, waren es im Januar 2021 schon 71 Prozent.

Quelle: FFA Filmförderungsanstalt


The Covid-19 pandemic is dramatically changing the lives and work in the film industry. The restrictions hit cinemas in particular, forcing operators to muster perseverance and creativity in seeking measures to make ends meet. Premieres and releases have been – and still are – postponed or transferred to digital formats. Loyal cinema visitors have shown solidarity by buying vouchers and popcorn. However, the businesses won't be saved by these gestures. Empty halls are causing running costs, yet there is no turnover. The financial aid by the Federal Government and the Land helps during the crisis, but concerns about the future remain. In this Close Up, we ask how the cinema operators dealt with the pandemic, which opportunities there are to overcome this crisis, and which experiences the cinemas made with streaming offers. Text: LENA SCHWÄCKE

 

Closed Cinemas

In early November 2020, the lights in the cinemas went out for the second time since the beginning of the pandemic in March 2020: “In 2020, we were open from June 4 to November 1," remembers MARGARETE SÖHNER of the EM-Filmtheater-Betriebe Mertz. WALTER DEININGER, the operator of the Brazilkino Schwäbisch Gmünd, recounts the significant challenges that he and his team had to face with the second closing. They were just about to open the 27th International KinderKinoFestival: “More than 3,500 pupils and teachers, parents and their kids wanted to visit the premieres and competition films. Then, just before it started, everything was canceled – just as the annual plans for film series, live music, and other events." The new lockdown was a hard blow for DEININGER: “After the first lockdown, it took a certain amount of time before we had reached the pre-pandemic level. In November, all of that was lost again.”
The Stuttgart Innenstadtkinos were also taken by surprise by the measures: “After the shutdown in spring, we would have never believed that such a prolonged second phase was to follow,” states MARGARETE SÖHNER. She recounts how creatively they handled the closures: “In the background, we did a lot of tidying up, we restructured, renovated, and promoted offers." And they kept in touch with loyal cinema-goers via social media and a newsletter.

 

Drive-in and Open-Air Cinema Hype

In 2020, open-air and drive-in cinemas experienced a veritable boom from spring to autumn. The Innenstadt cinemas, too, jumped on this bandwagon, but the second lockdown with its national emergency brake brought this new cinematic form to a halt. And from November to March, everything was closed. The first timid attempts to open again took place in March 2021. For five weeks, the spotlight was on the cinemas in Tübingen: as part of the model project “Öffnen mit Sicherheit" (“opening with safety precautions"), the movie theatres were allowed to open their doors – indeed quite successfully – yet with considerable efforts. But soon after, the national emergency brake led to a new lockdown.
At the moment, the cinemas can't do anything but wait until they can open up again. Currently, the five cinema and distribution associations HDF Kino, AG Kino-Gilde, Bundes ver band kommunale Filmarbeit, VdF, and AG Verleih are appealing to the Federal Lands to allow for cinema openings on June 1, 2021, and for a chance to announce this date on time so that the cinema operators have ample planning reliability.

 

Assistance Measures

To counter the difficult situation of the cinemas, the MFG Baden-Württemberg had already provided comprehensive information and advisory services before the first lockdown. Baden-Württemberg increased the overall budget for the annual Cinema Programming Award by 1.1 million euros in total. Each cinema winning an MFG-sponsored Cinema Programming Award in 2019 received additional funding of 5,000 euros. To avoid placing more stress on the cinemas in 2020, the MFG waived all repayments of the cinema innovation loans without replacement. The MFG also contributed to the national aid program of 15 Mio. euro in total for the film and media industry. The default funds I and II by the Federal Government and the States replaced the program.
Currently, politicians of the Land of Baden-Württemberg set an important signal: the coalition agreement between Bündnis 90/Die Grünen and CDU with the title “Jetzt für Morgen. Der Erneuerungsvertrag für Baden-Württemberg” states that cinemas – as objects of cultural value – must be further strengthened. The impulse program “Kultur nach Corona" (“culture after corona") intends to strengthen the cultural and creative scene. It comprises scholarships for artists and lines of funding for, among others, cinemas to absorb the impacts of the pandemic for cultural institutions.

 

Streaming or cinema: Chances or risks?

Closing the cinemas opened up new ways of evaluation and broadcasting. Today, alongside Netflix, Amazon Prime, and co, there are also streaming service providers for local cinemas such as Kino on Demand. This streaming service – supported by Creative Europe MEDIA and the North-Rhine Westphalia State Chancellery – introduced a concept as to how local cinemas could be strengthened by streaming: users can support a cinema of their choice by donating an amount when they pay for the movie they want to watch. The Kino on Demand program also features several MFG-funded films, such as “And Tomorrow the Entire World” by JULIA VON HEINZ. In this way, the ladder achieved a pandemic-compliant way of evaluation: in October 2020, the award-winning film launched its release, which had to be called off again after four days due to the second lockdown. Shortly after, the film was available to stream on Amazon Prime, and since May, it has also been available on Netflix and Kino on Demand. The EM-Filmtheater have also gained initial experiences with the streaming service provider Kino on Demand: “We don't have a streaming service of our own. A single business operator cannot afford it. However, the partner and provider Kino on Demand offers a solution to this. It's the only provider to establish ties with cinemas. With each first and each fifth movie rental on Kino on Demand, the buyer gets a voucher they can redeem at their next visit to the cinema of their choice," is how MARGA RETE SÖHNER describes the business model of Kino on Demand.
As an alternative to Kino on Demand, a few smaller distributors work with a Vimeo platform concept. “They offer the films scheduled for theatre release via Vimeo for an online ticket and share the revenue with cinemas," says SÖHNER. WALTER DEININGER tried a similar method: “We published the links of distributors who offer their films as streams on our website." Such approaches to cushion the crisis-ridden cinemas weren't always as successful as the people involved had wished. “People didn't really take up on the offer. For me, that makes sense. It's like we competed in the Formula1 with a racing bike", is how DEININGER sums it up.
The conclusion from the perspective of the Innenstadtkinos is slightly more optimistic: “The cooperation with us has existed since spring 2019, and of course, there was an increase compared to the numbers before. The utilization rate at the beginning of the respective shutdowns was high. After, it was only when we put a highlight on the Kino on Demand films through our communications,” states SÖHNER.
The implementation of streaming is not easy for single cinema operators. Yet, the streaming of content is increasingly popular. For DEININGER, the growing market share is a threat to cinemas in the long run: “In my opinion, streaming cannot be stopped. I have been running a movie theatre for 40 years and see that – with Corona and the strengthening of the streaming services, which were, and still are, able to secure a massive increase in subscriber numbers – cinemas are threatened more than ever.” MARGARETE SÖHNER has a similar view on the current situation of cinemas: “The fact that streaming was on the horizon and that the competition will grow was foreseeable. After the cinemas had to close due to the pandemic, it was clear that the scales will initially tip in the direction of the streaming services ... yet at the same time, the desire to go to the movies grew, too.”

 

Children and youth are missed in cinemas

For SÖHNER and DEININGER, the way of reception makes all the difference: at the cinema, you experience a film, at home, you watch a film. WALTER DEININGER is convinced: “At the home cinema, the movie theatre feeling is missing. Some films just work in the cinema. You just can't beat the atmosphere in the Arthouse movie theatre I have been running for 40 years. … Watching and experiencing films together, laughing and crying together, making a date to go to the movies, meeting up before or after the film, and the catering – all of that defines the Brazilkino.”
In his art-house cinema, DEININGER expresses his concerns over the unfolding sociodemographic change: “I look at the cinema with mixed feelings. I have seen my regular customers come here for 40 years. Unfortunately, the visitors are growing older. There is no youth ... We want children to come to the cinemas – away from the screens. … Diversity instead of specification. The operators are walking the fine line of both remaining true to their regulars and attracting a younger target group at the same time to offer the audience a well-balanced program between art-house film and ‘mainstream.’“

 

Conclusions: The future of cinema

Cinema operators dared to look outside the box: the focus turned to drive-in and open-air cinemas and digital evaluation methods. Whether the implementation of streaming offers will turn out as something to fall back on, currently depends on the individual operator. However, an unavoidable additional effort in the marketing sector certainly means an expenditure of costs and time, and also acquiring new expertise that has been outside of their subject area up until now.
With this in mind, the interviewees ventured a final look into the future of cinema: MARGARETE SÖHNER believes in the movie theatres and, together with the Innenstadtkinos team, demonstrated the possibilities of making their presence felt despite the closures: “The cinema had to face and keeps facing many changes. We would rather see it as motivation. Like many other sectors, cinemas have to constantly develop further and react to social, technological, and consumer-related changes or do new steps on their own. The heart of what really defines cinema will not die."
And WALTER DEININGER can see a path for the future, too: “In all those years, I have never been opposed to progress. With the Turmtheater in Schwäbisch Gmünd, I was one of the first cinema operators to imply digitalization in some of the halls. We were among the first to use cinema halls for computer games and host competitions. As operators, we have to position ourselves and emphasize our strengths.”