Deutscher Dokumentarfilmpreis

Der von der MFG Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Südwestrundfunk (SWR) gestiftete Deutsche Dokumentarfilmpreis wird seit 2017 jährlich vergeben und im Rahmen des neuen SWR Doku Festival in Stuttgart überreicht. Die mit 20.000 Euro höchstdotierte Auszeichnung für einen deutschsprachigen Dokumentarfilm würdigt besonders herausragende filmische Leistungen zur Pflege und Weiterentwicklung des Dokumentarischen im Fernsehen und im Kino.

Der Ehrenpreis für das Lebenswerk wurde 2021 zum ersten Mal im Rahmen des Deutschen Dokumentarfilmpreises gemeinsam von der MFG Baden-Württemberg und dem SWR Doku Festival vergeben.


Deutscher Dokumentarfilmpreis 2022 ex aequo an den MFG-geförderten Film „Dear Future Children“ sowie „Herr Bachmann und seine Klasse“

MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen: „Die wunderbare Erfolgsgeschichte von ‚Dear Future Children‘ setzt sich fort.“

Bei einer festlichen Veranstaltung, moderiert von Max Moor, wurden am Abend des 24. Juni in Stuttgart der Deutsche Dokumentarfilmpreis 2022 in sechs Kategorien verliehen. Jurymitglieder waren unter anderem Produzentin Regina Ziegler, Autor und Regisseur Gero von Boehm und Musiker Campino. Der mit 20.000 Euro dotierte, vom Südwestrundfunk (SWR) und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gestiftete Hauptpreis wurde in diesem Jahr geteilt und geht je hälftig an die Filmregisseurin Maria Speth für „Herr Bachmann und seine Klasse“ und an Regisseur Franz Böhm für „Dear Future Children“.

Auch der Publikumspreis der SWR Landesschau, gestiftet von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH (MFG) und der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) und mit 3.000 Euro dotiert, geht an „Dear Future Children“.

MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen: „Der von uns geförderte Film ‚Dear Future Children‘ erhält mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis und Publikumspreis seine siebte und achte Auszeichnung. Wir gratulieren dem erst 23 Jahren alten, aus Baden-Württemberg stammenden Regisseur Franz Böhm sehr herzlich zu der anhaltenden Erfolgsgeschichte.“

Für einen dokumentarischen Film aus dem Bereich Musik wurde Enrique Sánchez Lansch für seinen Film „A Symphony Of Noise - Matthew Herbert‘s Revolution“ der mit 5.000 Euro dotierte Musikpreis des SWR verliehen. Den mit 5.000 Euro dotierten Preis der Norbert Daldrop Förderung für Kunst und Kultur erhält Ruth Rieser für „Auslegung der Wirklichkeit – Georg Stefan Troller". Der Film „The Other Side of the River“ von Antonia Kilian wird mit dem Förderpreis des Hauses des Dokumentarfilms, dotiert mit 3.000 Euro, ausgezeichnet.

Publikumspreis, gestiftet von MFG und LFK

Eine Zuschauer*innen-Jury der SWR-Landesschau aus acht Personen entschied in diesem Jahr zum zweiten Mal über den mit 3.000 Euro dotierten Publikumspreis, der von der Landesanstalt für Kommunikation und der MFG Baden-Württemberg gestiftet wird. 2022 geht der Publikumspreis an den Film „Dear Future Children“ von Franz Böhm, der auch hälftig den diesjährigen Hauptpreis gewonnen hat.

Die Jury: „,Dear Future Children‘ beeindruckt auf formaler und inhaltlicher Ebene. Aber besonders durch die Radikalität, mit der eine junge Protestgeneration ihre Werte über das eigene Leben stellt und ist für uns dadurch wahrhaftig Kino in Form von politischer Inspiration.“

Geteilter Hauptpreis: Die Gewinnerfilme

Die Hauptjury hatte sich in diesem Jahr dazu entschieden, den Hauptpreis gleich zweimal zu vergeben und das Preisgeld zu teilen. 10.000 Euro, gestiftet vom SWR und der MFG, gehen an Maria Speth für „Herr Bachmann und seine Klasse“. Maria Speth begleitete im hessischen Stadtallendorf die geduldige und liebevolle Arbeit eines Lehrers mit seiner 6. Klasse einer Gesamtschule.

Die Jury: „An die 200 Stunden Material aus mehreren Monaten hat die Regisseurin so zusammengefügt, dass ein Spannungsbogen erzeugt wird, der den Zuschauer über mehr als dreieinhalb Stunden nicht nur fesselt, sondern immer stärker in seinen Bann zieht. Ohne Off-Kommentar, ohne Abschweifungen, einfach durch Hinschauen und Zuhören. Das Kamerateam ist offenbar so nahtlos in die Klasse integriert, dass nie der Eindruck entsteht, hier werde vor der Kamera oder für die Kamera gespielt.“

„Herr Bachmann und seine Klasse“: Deutschland 2021, 217 Minuten; Regie: Maria Speth; Buch: Maria Speth, Reinhold Vorschneider; Kamera: Reinhold Vorschneider; Montage: Maria Speth; Produktion: Madonnen Film GmbH; Filmförderung: Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Filmförderungsanstalt (FFA), HessenFilm und Medien GmbH.

Ebenfalls 10.000 Euro, gestiftet vom SWR und der MFG, gehen an den zweiten Hauptpreisträger Franz Böhm für „Dear Future Children“. Der aus Gerlingen stammende Jungregisseur erzählt die Geschichten dreier junger Aktivistinnen aus Chile, Uganda und Hongkong, die gegen Regierungen kämpfen, die nicht zuhören wollen und für die Zukunft der Umwelt, für mehr soziale Gerechtigkeit und Demokratie.

Die Jury: „Der großartige Film gibt einer Generation Gesichter und Stimmen. All ihre Wut, Energie und ihren Einfallsreichtum fangen der junge Filmemacher Franz Böhm und sein Kameramann Friedemann Leis auf eine so beeindruckende Weise ein, dass sie uns zu Zeugen all der Wünsche, Hoffnungen und Ängste dieser besonderen jungen Menschen machen.“

„Dear Future Children“: Deutschland 2021, 90 Minuten; Buch und Regie: Franz Böhm; Kamera: Friedemann Leis; Montage: Daniela Schramm Moura; Produktion: Schubert Film, Nightrunner Productions; Koproduktion: Lowkey Films, Übergrafisch; Filmförderung: Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH.

Die weiteren Preise finden Sie auf www.deutscher-dokumentarfilmpreis.de

Die Aufzeichnung der Preisverleihung ist ab 28. Juni auf der Website des SWR Doku Festival abrufbar.

Jury Deutscher Dokumentarfilmpreis 2022:

Prof. Regina Ziegler, Jurypräsidentin (Film- und Fernsehproduzentin), Gero von Boehm (Autor und Regisseur), Prof. Aelrun Goette (Regisseurin, Drehbuchautorin und Honorarprofessorin für Schauspiel, Drehbuch und Regie an der Filmuniversität Babelsberg), Prof. Astrid Pellengahr (Direktorin des Landesmuseum Württemberg), Prof. Bettina Reitz (Präsidentin der HFF München, Mitglied der Deutschen und der Europäischen Filmakademie)

Geschäftsstelle „Deutscher Dokumentarfilmpreis“: Telefon 0711 929 14003, E-Mail: dokumentarfilmpreis@swr.de

Die weiteren Preisträger 2022: SWR

Ehrenpreisträger 2022

Der gemeinsam vom SWR und der MFG vergebene Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises geht in diesem Jahr an Werner Herzog für sein Lebenswerk. Der 79-jährige Regisseur, Produzent und Autor ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Filmschaffenden weltweit. Seine Filme gelten als dicht erzählte Meisterwerke, die die Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation verschwimmen lassen. Der Preis wird im Rahmen des SWR Doku Festivals am 24. Juni 2022 verliehen.

Als Regisseur erschafft er so stilbildende dokumentarische Werke, die sich häufig der Urgewalt der Natur, der Anziehungskraft ferner Orte oder den Tiefen des Menschseins widmen.  Werner Herzog ist international einer der renommiertesten Regisseure und Produzenten und hat seit 1962 bei über 30 Dokumentarfilmen für Kino und Fernsehen Regie geführt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Mein liebster Feind“ über seine schwierige Beziehung zu dem Schauspieler Klaus Kinski sowie „Grizzly Man“ über den Tierschützer Timothy Treadwell, der über viele Sommer mit Grizzlybären in Alaska zusammenlebte und schließlich von einem Bären getötet wurde. Auch „Land des Schweigens und der Dunkelheit“ über das Leben von taubblinden Menschen oder der oscarnominierte Dokumentarfilm „Begegnungen am Ende der Welt“ mit atemberaubenden Naturaufnahmen in der Antarktis, verbunden mit Porträts der Forschenden vor Ort, setzten Maßstäbe.

Kern des dokumentarischen Schaffens Werner Herzogs ist die Faszination für die Natur und ihre Bedeutung für den Menschen. Doch auch Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie Michael Gorbatschow oder vermeintlich abseitige Protagonisten wie zum Tode verurteilte Straftäter stellte er in den Mittelpunkt. Immer ist sein Blick auf die Wirklichkeit dabei von großer, narrativer Kraft und optischer Opulenz geprägt.

„Werner Herzog ist eine große Persönlichkeit, dessen Arbeit Generationen von Filmschaffenden inspiriert und beflügelt. Seit nun mehr bald sechs Jahrzehnten begibt er sich mit seiner Kamera in Teile unserer Welt, in die sich kein anderer Regisseur traute, um Geschichten auf eine Art und Weise zu erzählen, die niemand sonst überhaupt in Betracht zog. Seine Filme belegen eindrucksvoll, warum Werner Herzog als einer der kühnsten und visionärsten Filmemacher unserer Zeit gilt - ein Regisseur, den sowohl Milos Forman als auch Francois Truffaut als ‚den größten lebenden Filmemacher‘ bezeichneten. Im Namen des SWR Doku Festivals gratuliere ich Werner Herzog ganz herzlich zum Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises.“, so SWR-Intendant Prof. Dr. Kai Gniffke


Deutscher Dokumentarfilmpreis 2021 - Hauptpreis

Der Hauptpreis in Höhe von 20.000 Euro, gestiftet vom SWR und der MFG, geht an Regisseur Nathan Grossman für „Ich bin Greta“. Nathan Grossmann begleitete von Anbeginn die Umweltaktivistin Greta Thunberg aus unmittelbarer Nähe – ohne zu wissen, wie bekannt sie einmal werden würde. Der Film beginnt mit dem sichtbaren Schulstreik der damals 15-jährigen vor dem schwedischen Parlament. Anfangs von Politiker*innen belächelt, entstand um sie herum eine globale Jugendbewegung – Fridays for Future. Ein Jahr nach Gretas Streik vor dem schwedischen Parlament demonstrieren Millionen Menschen in über 100 Ländern. Exklusives privates Filmmaterial lässt die Zuschauenden Gretas Weg aus ihrer persönlichen Sicht erleben.

Die Jurybegründung: „,Ich bin Greta‘ ist ein Film, der auf vielerlei Weise zutiefst berührt. […] Obwohl Nathan Grossmans Film sich stark auf die Person Greta Thunberg fokussiert, und vielleicht gerade, weil er das in einer Konzentriertheit tut, die Gretas eigener Ausschließlichkeit entspricht, zeigt er auf, dass es um etwas sehr Großes geht - nämlich um nicht weniger als um die Zukunft der Menschheit.“

„Ich bin Greta“

Schweden, Deutschland, USA, Großbritannien – 2020 (Erstausstrahlung) – 88 Minuten; Buch und Regie: Nathan Grossman; Kamera: Nathan Grossman; Montage: Charlotte Landdelius, Hanna Lejonqvist; Produktion: B-Reel Features Film; Koproduktion: HULU, WDR, SWR, RBB, British Broadcasting Corporation, Danmarks Radio, Sveriges Television; Filmförderung: The Swedish Film Institute (Jenny Gilbertsson), Bertha Foundation, Filmbasen (Ivana Lalovic)

Die weiteren Preisträger finden Sie auf der Website des SWR

Ehrenpreisträger 2021

Der Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises ging 2021 an den Regisseur Georg Stefan Troller für sein Lebenswerk. Der inzwischen 100-jährige Regisseur und Schriftsteller schuf stilbildende Filme des Fernsehdokumentarismus. Zeitlose Meisterwerke, die bis heute ungebrochen Strahlkraft besitzen. 

„Er ist eine große und filmprägende Persönlichkeit und noch heute ein Vorbild für alle Filmschaffenden. Authentisch und mitfühlend, kritisch und hautnah gelang ihm in über 150 Filmen bravourös die Balance zwischen atmosphärischer Dichte und präzisem Blick, zwischen dokumentarischer und journalistischer Erzählung. Im Namen des SWR Doku Festivals gratuliere ich Professor Georg Stefan Troller ganz herzlich zum Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises“, so SWR Intendant Prof. Dr. Kai Gniffke.


Preisträger*innen 2020


Aktualisierung: Filmemacherin von „Lovemobil“ gibt Deutschen Dokumentarfilmpreis zurück. Mehr Informationen finden Sie hier.


2020 ging der Preis ursprünglich an Feras Fayyad für „Eine Klinik im Untergrund – The Cave“ und an Elke Margarete Lehrenkrauss für „Lovemobil“. In diesem Jahr wurde der Preis an zwei Filme verliehen und das Preisgeld von 20.000 Euro geteilt.

Der Dokumentarfilm „Eine Klinik im Untergrund – The Cave“ begleitet die 30-jährige angehende Kinderärztin Dr. Amani im kriegsgeschüttelten Syrien bei ihrer täglichen Arbeit in einem verborgenen unterirdischen Feldkrankenhaus. Als Leiterin eines Teams aus Ärzten und zivilen Betreuern arbeitet sie unermüdlich daran, in Al Ghouta bei Damaskus die Opfer von Bombenangriffen und chemischer Kriegsführung mit der wichtigsten medizinischen Hilfe zu versorgen. Der syrische Filmemacher Feras Fayyad zeigt in seinem Film den täglichen Mut von Dr. Amani und ihrem Team und lässt dabei das Wesen von Menschlichkeit zutage treten. In der Jurybegründung heißt es: „Kinder mit Bombensplittern und Opfer von Chlorgasattacken - der Krieg zeigt sich hier in seiner sinnlosen Rohheit. Wenn zum Beispiel der operierende Arzt klassischer Musik während eines Eingriffs auf seinem Smartphone zuhört oder eine Krankenschwester Essen für die Belegschaft kocht, dann zeigt sich noch eine ganz andere Ebene in diesem Film. In dieser Untergrundklinik werden nicht nur Menschenleben gerettet, sondern auch die Ambivalenz des Menschseins beleuchtet. Die Schrecken des Krieges werden gezeigt, doch darüber hinaus thematisiert `The Cave` die Wahrung der Humanität in ihrer Allgemeingültigkeit. Das macht diesen Film so zutiefst berührend und intelligent, weil er uns alle miteinbezieht."

Syrien, Dänemark, Deutschland, USA und Katar 2019 - 95 Minuten; Buch: Alisar Hasan, Feras Fayyad; Regie: Feras Fayyad; Kamera: Muhammed Khair Al Shami, Ammar Suleiman, Mohammed Eyad; Montage: Per K. Kirkegaard, Denniz Göl Bertelsen; Ton: Peter Albrechtsen; Musik: Matthew Herbert; Produktion: Danish Documentary Production

Koproduktion: ma.ja.de Filmproduktions GmbH, Hecat Studio Paris, Madam Films; Zusammenarbeit mit National Geographic, SWR, TV 2; Filmförderung: DOHA, Sun Yat-Sen Cultural Foundation, International Media Support, The Danish Film Institute Development, Docs Up Fund, Normandie for Peace