Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Thomas Strittmatter Preis

Mit dem Thomas Strittmatter Preis zeichnet die MFG Filmförderung Autorinnen und Autoren für qualitativ hochwertige Drehbücher aus. Prämiert werden Fernseh- oder Kinostoffe mit einem Bezug zu Baden-Württemberg. Der nach dem jung verstorbenen Autor Thomas Strittmatter benannte Drehbuchpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird alljährlich während der Berlinale im Rahmen einer feierlichen Gala verliehen.

Preisträger 2018

Das Autorenteam Gabriele Simon und Finn-Ole Heinrich hat den mit 20.000 Euro dotierten Thomas Strittmatter Preis der MFG Filmförderung Baden-Württemberg für sein Drehbuch „Räuberhände“ gewonnen. Die Entscheidung für "Räuberhände" unter vier nominierten Stoffen wurde von einer dreiköpfigen Jury unter Leitung der Filmemacherin Aelrun Goette getroffen. Der Drehbuchpreis der MFG feierte sein 20. Jubiläum und zeichnet alljährlich während der Berlinale noch unverfilmte Fernseh- oder Kino-Drehbücher aus. Weit über 300 Gäste der feierlichen Preisverleihung in der Berliner Landesvertretung Baden-Württemberg bekamen bei einer auszugsweisen Lesung des Schauspielers Samuel Schneider einen Eindruck von der hohen Qualität des prämierten Stoffes.

Eine Erfolgsgeschichte

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg: „Der Drehbuchpreis der MFG ist eine Erfolgsgeschichte: Beinahe drei Viertel der 22 preisgekrönten Drehbücher wurden bereits verfilmt. Auch in diesem Jahr werden gesellschaftlich hoch relevante Themen bearbeitet, unter denen für mich eines besonders heraussticht: Selbstbestimmung und Identitätsfindung in einer komplexer gewordenen Welt, angesiedelt zwischen Breisgau und Istanbul, im Hochschwarzwald oder in einem Dorf in Sachsen-Anhalt. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass unter den bisherigen Gewinnerinnen und Gewinnern des Thomas Strittmatter Preises zwischen weiblichen und männlichen Autoren ein absolut paritätisches Verhältnis besteht– wie ich es mir in allen gesellschaftlichen Bereichen wünschen würde.“

Wildes und poetisches Potential

MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen ergänzte: „Dem Autorenteam Gabriele Simon und Finn-Ole Heinrich gratuliere ich von Herzen zu der Auszeichnung und drücke alle Daumen, dass das sensible erzählte und nie sentimentale Tagebuch einer ungewöhnlichen Freundschaft bald verfilmt wird."
Die Handlung nach dem gleichnamigen Roman „Räuberhände“ des Co-Autors Finn-Ole Heinrich ist in Freiburg und Istanbul angesiedelt: Janik hat Eltern, die immer alles richtig machen. Samuel kommt aus zerrütteten Verhältnissen. Während Janiks Eltern Samuel quasi adoptiert haben, hütet der seine Penner-Mutter wie ein Geheimnis. Samuel will Ordnung, Janik will Chaos. Ihr Ziel ist ein neues, selbsterfundenes Leben in der Türkei. Bis Janik etwas Unverzeihliches tut und ihre Freundschaft fast daran zerbricht.
Die Juroren Aelrun Goette, Natalia Wörner und Hendrik Hölzemann freuten sich, „mit RÄUBERHÄNDE von Gabriele Simon und Finn Ole Heinrich einen Preisträger gefunden zu haben, in dem radikal komisches, wildes und poetisches Potential steckt. Die Geschichte lebt in der Zwischenzeit; nicht mehr Kind und doch nicht erwachsen. Das große Versprechen vom Leben ist noch nicht der Ernüchterung gewichen, dass Träume auf dem Boden der Realität vergehen. (…) Wir wünschen dem Stoff Partner, die den Schatz begreifen, den er in sich trägt.“

Vier Nominierte aus vierzig Einreichungen

Aus knapp vierzig Einreichungen, die von der Jury in anonymisierter Fassung gelesen wurden, waren neben „Räuberhände“ drei weitere Drehbücher nominiert: „März“ von Constantin Hatz, „Missing Link“ von Sabine Westermaier und Michael Baumann sowie „Yeaaahhh!!!“ von Sigrun De Pascalis und Ursula Gruber. Bereits die Nominierungen sind mit einem Preisgeld von 2.500 Euro verbunden.

Bisher wurden bereits 16 der preisgekrönten Drehbücher verfilmt. Hierzu zählen unter anderem „Es kommt der Tag“ von Susanne Schneider“, „Festung“ von Nicole Armbruster oder „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus. Vom Preisträger 2014 („G’stätten“ von Thomas Evers) waren bei der feierlichen Preisverleihung in Berlin die ersten Bilder zu sehen. Nora Fingscheidt, die Gewinnerin vom Vorjahr, hat jetzt mit der Realisierung ihres Drehbuchs „Systemsprenger“ begonnen. „Räuberhände“, der Preisträger 2018, soll unter der Regie von Ilker Ҫatak von Flare Film zusammen mit SWR/arte umgesetzt werden.

Erfolgreiche Verfilmungen des Drehbuchpreises

Seit der Stiftung des Thomas Strittmatter Preises wurden sowohl junge Talente als auch etablierte Autoren zu Preisträgern gekürt. Die Auszeichnung ermöglicht den Autoren ein freies Arbeiten auf dem Weg zum fertigen Film und führte damit erfolgreich zur Verwirklichung vieler Drehbücher. Die Quote der Verfilmungen liegt bei rund 90 Prozent. Eine Liste aller verfilmten Drehbücher, die mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet wurden, steht unten zum Download bereit.

In den letzten Jahren wurden ES KOMMT DER TAG (2008) von Susanne Schneider, BIS AUFS BLUT - BRÜDER AUF BEWÄHRUNG (2009) von Oliver Kienle, FESTUNG (2010) von Nicole Armbruster, FÜNF JAHRE LEBEN (2011) von Stefan Schaller, WILLKOMMEN BEI HABIB (2012) von Michael Baumann und Sabine Westermaier, DIE BLUMEN VON GESTERN (2013) von Chris Kraus sowie zuletzt ZUCKERSAND (2003) von Dirk Kummer verfilmt.

Hier gibt es einen kleinen Einblick in die Filme:

Hintergrundinformationen

Der am 18. Dezember 1961 in St. Georgen geborene Thomas Strittmatter verfasste zahlreiche Hörspiele, Romane und Drehbücher und studierte darüber hinaus Malerei an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe. Als Drehbuchautor schrieb er nach "Polenweiher" die Filmvorlagen für "Drachenfutter", "Das Königsstechen", "Winckelmanns Reisen", "Auf Wiedersehen Amerika", "Bohai Bohau" und "Viehjud Levi". 1994 wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis-Drehbuchpreis ausgezeichnet. Strittmatter verstarb bereits im Alter von 33 Jahren an einem Herzinfarkt.

"Thomas Strittmatter war einer der herausragendsten jungen Theater-, vor allen Dingen aber auch Drehbuchautoren, die in der Bundesrepublik gewirkt haben und die beiden Regisseure Jan Schütte und Didi Danquart, die vor allem mit ihm gearbeitet haben, sind ebenfalls dem Land eng verbunden", begründete die damalige MFG-Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer die Umbenennung des von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg gestifteten Preises von "Baden-Württembergischer Drehbuchpreis" in "Thomas Strittmatter Preis" im Jahr 2008.

In seiner Laudatio während der Preisverleihung am 13. Februar 2008 beschreibt Jan Schütte Thomas Strittmatter als einen "Geschichtenerzähler, der auch unterhalten wollte, der Sinn für Witz und Ironie hatte, und Lust an der Komik des Alltäglichen".

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Bewerbungsformular 2019

Einreichung Drehbuchpreis

Die Richtlinien für die Einreichung zum Thomas Strittmatter Preis auf einen Blick.