Thomas Strittmatter Preis

Bevor Bilder entstehen, entstehen Geschichten. Der Thomas Strittmatter Preis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen für Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Mit dem Preis würdigt die MFG Filmförderung herausragende Fernseh- und Kinostoffe mit Bezug zu Baden-Württemberg. Die Auszeichnung erinnert an den viel zu früh verstorbenen Autor Thomas Strittmatter und ist mit 20.000 Euro dotiert. Verliehen wird sie jedes Jahr während der Berlinale.

Bewerbung Thomas Strittmatter Preis 2027

Die Ausschreibung für den Thomas Strittmatter Preis 2027 ist gestartet. Bewerbungen sind bis zum 18. August 2026 möglich. 

Weitere Informationen finden Sie unter Einreichung Drehbuchpreis.

Thomas Strittmatter Preis: ein Sprungbrett für Stoffe und Talente

Die Preisträger des Thomas Strittmatter Preises 2026 sind Duc-Thi Bui und Philipp Lutz. Ausgezeichnet wurde ihr Drehbuch zum Drama „Malibu“. Der Stoff erzählt von den 17-jährigen Jonas und David, die sich während ihrer Krebsbehandlung auf einer Onkologiestation kennenlernen und eine enge Freundschaft entwickeln, aus der schließlich Liebe entsteht.

Duc-Thi Bui, in Vietnam geboren und in Stuttgart aufgewachsen, hat sich mit mehrfach ausgezeichneten Drehbüchern als starke Stimme des deutschen Nachwuchsfilms etabliert. Co-Autor Philipp Lutz arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als Produzent, Autor und Regisseur für Kino und Fernsehen.

Die weiteren Nominierten des Thomas Strittmatter Preises 2026, Stephanie Fies und Romina Küper, erhielten für ihre Drehbücher „Running High“ beziehungsweise „Hyperbaby“ jeweils 2.500 Euro.

„In die Sonne schauen“: Was aus einem ausgezeichneten Drehbuch werden kann

Was aus einem ausgezeichneten Drehbuch werden kann, zeigt kaum ein Beispiel eindrucksvoller als „In die Sonne schauen“ von Louise Peter und Mascha Schilinski. Das Drehbuch wurde 2023 mit dem Thomas Strittmatter Preis ausgezeichnet. Drei Jahre später feierte die Verfilmung große Erfolge auf internationalen Festivals und wurde beim Deutschen Filmpreis 2026 mit elf Lolas ausgezeichnet.

Das folgende Interview mit Louise Peter entstand unmittelbar nach der Preisverleihung. Noch sichtlich überwältigt vom Erfolg ihres Films erzählt sie darin auch von den Anfängen ihrer Karriere – und wie wichtig der Thomas Strittmatter Preis damals für sie war. So berichtet sie mit entwaffnender Offenheit, dass sie zum Zeitpunkt der Auszeichnung nur noch einen Euro auf ihrem Konto hatte, als das Preisgeld eintraf.

Vielleicht wird auch „Malibu“ einen ähnlich erfolgreichen Weg nehmen. Der Thomas Strittmatter Preis möchte genau das ermöglichen: außergewöhnliche Autorinnen und Autoren in einem entscheidenden Moment ihrer Karriere zu unterstützen und herausragenden Geschichten den Weg auf die Leinwand zu ebnen.


Interview mit Louise Peter beim Deutschen Filmpreis 2026

Wie fühlt es sich an, mit der Goldenen Lola und insgesamt elf Auszeichnungen für „In die Sonne schauen“ hier zu stehen?

Es ist ein wunderschöner Abschluss unserer Reise. Wir nennen es manchmal unsere einjährige Klassenfahrt. Wir sind unglaublich stolz darauf, dass so viele Menschen aus dem Team heute mit einer Lola nach Hause gehen können. Das fühlt sich wirklich sehr besonders an.

Wie hat die Reise von „In die Sonne schauen“ begonnen?

Das erste Mal, dass unser Drehbuch von Menschen außerhalb unseres unmittelbaren Umfelds gelesen wurde, war im Rahmen des Thomas Strittmatter Preises. Das war für uns ein unglaublich wichtiger Moment. Die Auszeichnung hat uns Mut gemacht, unserer Vision weiter zu folgen und an diesem Stoff festzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt war das für uns von unschätzbarem Wert.

Und ganz praktisch hat uns das Preisgeld damals tatsächlich geholfen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch einen Euro auf meinem Konto, als wir die Nachricht über den Gewinn des Strittmatter Preises erhalten haben.

Gibt es bereits ein neues gemeinsames Projekt?

Mascha Schilinski und ich haben begonnen, an einem neuen Stoff zu arbeiten. Es ist allerdings noch sehr früh, deshalb können wir dazu im Moment noch nicht viel sagen.


Vom Drehbuchpreis auf die große Leinwand

Der Thomas Strittmatter Preis ist weit mehr als eine Auszeichnung für herausragende Drehbücher. Er begleitet Autorinnen und Autoren auf dem Weg von der Idee zum fertigen Film – und das mit bemerkenswertem Erfolg: Rund 90 Prozent der prämierten Stoffe werden später verfilmt.

Seit der ersten Verleihung hat der Preis sowohl vielversprechende Nachwuchstalente als auch etablierte Autorinnen und Autoren gefördert. Zahlreiche ausgezeichnete Drehbücher fanden anschließend ihr Publikum im Kino oder Fernsehen und wurden vielfach national und international ausgezeichnet.

Zu den bekanntesten Erfolgen zählt Nora Fingscheidts „Systemsprenger“, das nach der Auszeichnung mit dem Thomas Strittmatter Preis 2019 bei der Berlinale den Silbernen Bären gewann und zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres wurde.

Auch Filme wie „Es kommt der Tag“ von Susanne Schneider, „Bis aufs Blut – Brüder auf Bewährung“ von Oliver Kienle, „Festung“ von Nicole Armbruster, „Fünf Jahre Leben“ von Stefan Schaller, „Willkommen bei Habib“ von Michael Baumann und Sabine Westermaier, „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus oder „Zuckersand“ von Dirk Kummer nahmen ihren Anfang als Strittmatter-prämierte Drehbücher.

Jüngstes Beispiel für die Strahlkraft des Preises ist „In die Sonne schauen“ von Louise Peter und Mascha Schilinski. Das Drehbuch wurde 2023 mit dem Thomas Strittmatter Preis ausgezeichnet. Die spätere Verfilmung entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten deutschen Arthouse-Filme der vergangenen Jahre und wurde 2026 beim Deutschen Filmpreis vielfach ausgezeichnet.


Jubiläumsclip ehemaliger Preisträger*innen


Wer war Thomas Strittmatter?

Thomas Strittmatter (1961–1995) zählt zu den bedeutendsten deutschen Drehbuchautoren seiner Generation. Der in St. Georgen im Schwarzwald geborene Autor schrieb Hörspiele, Romane und zahlreiche Drehbücher, darunter die vielfach ausgezeichneten Filme „Drachenfutter“, „Das Königsstechen“, „Winckelmanns Reisen“, „Auf Wiedersehen Amerika“, „Bohai Bohau“ und „Viehjud Levi“.

Neben seiner Arbeit als Autor studierte Strittmatter Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Seine Stoffe zeichnen sich durch präzise Figuren, große Menschenkenntnis und einen besonderen Blick auf gesellschaftliche Außenseiter aus. 1994 erhielt er den Bayerischen Filmpreis für das beste Drehbuch.

Thomas Strittmatter starb 1995 im Alter von nur 33 Jahren. Sein Werk gilt bis heute als prägend für das deutsche Filmschaffen.

Seit 2008 trägt der von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg vergebene Drehbuchpreis seinen Namen. Damit erinnert die Auszeichnung nicht nur an einen außergewöhnlichen Autor aus Baden-Württemberg, sondern würdigt zugleich die zentrale Bedeutung des Drehbuchs als Ausgangspunkt jeder filmischen Erzählung.

Der Regisseur Jan Schütte beschrieb Thomas Strittmatter einmal als einen „Geschichtenerzähler“, der Unterhaltung, Witz und Ironie ebenso beherrschte wie die Kunst, Menschen und ihre Lebenswelten genau zu beobachten. Dieser Geist prägt den Thomas Strittmatter Preis bis heute.