Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg

Thomas Strittmatter Preis

Mit dem Thomas Strittmatter Preis zeichnet die MFG Filmförderung Autorinnen und Autoren für qualitativ hochwertige Drehbücher aus. Prämiert werden Fernseh- oder Kinostoffe mit einem Bezug zu Baden-Württemberg. Der nach dem jung verstorbenen Autor Thomas Strittmatter benannte Drehbuchpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird alljährlich während der Berlinale im Rahmen einer feierlichen Gala verliehen.

Preisträgerin 2017

Die Autorin Nora Fingscheidt hat den mit 20.000 Euro dotierten Thomas Strittmatter Preis der MFG Filmförderung Baden-Württemberg für ihr Drehbuch „Systemsprenger“ gewonnen. Die Entscheidung für "Systemsprenger" unter drei nominierten Stoffen wurde von einer vierköpfigen Jury unter Leitung der Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader getroffen. Der zum 19. Mal vergebene Thomas Strittmatter Preis zeichnet während der Berlinale qualitativ hochwertige, noch unverfilmte Fernseh- oder Kino-Drehbücher aus. Von der Qualität des Werkes konnten sich die über 300 Gäste der feierlichen Preisübergabe am 15. Februar in der Berliner Landesvertretung Baden-Württemberg überzeugen.

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg: „Der baden-württembergische Thomas Strittmatter Preis ist nicht nur ein Qualitätssiegel, sondern durch sein Renommee auch die beste Voraussetzung dafür, dass ein anspruchsvolles Drehbuch später tatsächlich verfilmt wird. Hinter jedem erfolgreichen Film stehen einzelne Menschen - deshalb ist es wichtig, dass dieser Preis Künstlerinnen und Künstler in den Fokus rückt.“

MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen ergänzte: „Ich gratuliere der Jury zu dieser Entscheidung. Dem Drehbuch "Systemsprenger" über die verlorene Kindheit eines schwer aggressionsgestörten Heimkindes gelingt ein zutiefst berührendes Porträt an den Abgründen unserer Gesellschaft."

Benni (9) heißt eigentlich Bernadette, aber wehe, jemand nennt sie so! Das dünne Mädchen mit der wilden Energie ist das, was man im Jugendamt einen "Systemsprenger" nennt. Wo sie hinkommt, fliegt sie wieder raus. Mehr als fünfzehn Einrichtungen hat Benni schon durch, dabei will sie nur eins: wieder bei Mama wohnen. Doch Bianca hat Angst vor ihrer eigenen Tochter ...

Das Drama der Regie-Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg Nora Fingscheidt soll nach ihrem Diplom-Dokumentarfilm „Ohne diese Welt“ das Spielfilmdebüt der Regisseurin werden, das sie zusammen mit der kineo Filmproduktion realisieren möchte.

Aus der Jurybegründung: „Es ist erstaunlich, wie feinsinnig die Autorin Nora Fingscheidt dieses Sozialdrama in einer Komplexität und Nähe zu den Figuren erzählt, die uns berührt und mitdenken lässt. Ohne Pop-Psychologismus erfahren wir vom ungewöhnlichen Ringen und Scheitern der Sozialarbeiter um die neunjährige Benni."

Aus vierzig Einreichungen, die von den Juroren in anonymisierter Fassung gelesen wurden, waren neben „Systemsprenger“ zwei weitere Drehbücher nominiert: „Die Reise des Elefanten Soliman“ von Juliette Alfonsi und Matthias Drescher und „Kids Run“ von Barbara Ott. Bereits die Nominierungen sind mit einem Preisgeld von 2.500 Euro verbunden.

Unter dem Vorsitz von Maria Schrader (Regisseurin u.a. von „Vor der Morgenröte“ und Schauspielerin, zuletzt in „Hanni und Nanni“) gehörten Julia Franck, (Romanautorin, u.a. „Die Mittagsfrau“), Till Endemann (Regisseur, u.a. des ARD-Zweiteilers „Das Programm") und Dirk Kummer (Drehbuchautor/Regisseur, aktuell „Zuckersand“) der diesjährigen Jury an.

Erfolgreiche Verfilmungen des Drehbuchpreises

Seit der Stiftung des Thomas Strittmatter Preises wurden sowohl junge Talente als auch etablierte Autoren zu Preisträgern gekürt. Die Auszeichnung ermöglicht den Autoren ein freies Arbeiten auf dem Weg zum fertigen Film und führte damit erfolgreich zur Verwirklichung vieler Drehbücher. Die Quote der Verfilmungen liegt bei rund 90 Prozent. Eine Liste aller verfilmten Drehbücher, die mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet wurden, steht unten zum Download bereit.

In den letzten Jahren wurden ES KOMMT DER TAG (2008) von Susanne Schneider, BIS AUFS BLUT - BRÜDER AUF BEWÄHRUNG (2009) von Oliver Kienle, FESTUNG (2010) von Nicole Armbruster, FÜNF JAHRE LEBEN (2011) von Stefan Schaller, WILLKOMMEN BEI HABIB (2012) von Michael Baumann und Sabine Westermaier, DIE BLUMEN VON GESTERN (2013) von Chris Kraus sowie zuletzt ZUCKERSAND (2003) von Dirk Kummer verfilmt.

Hier gibt es einen kleinen Einblick in die Filme:

Hintergrundinformationen

Der am 18. Dezember 1961 in St. Georgen geborene Thomas Strittmatter verfasste zahlreiche Hörspiele, Romane und Drehbücher und studierte darüber hinaus Malerei an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe. Als Drehbuchautor schrieb er nach "Polenweiher" die Filmvorlagen für "Drachenfutter", "Das Königsstechen", "Winckelmanns Reisen", "Auf Wiedersehen Amerika", "Bohai Bohau" und "Viehjud Levi". 1994 wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis-Drehbuchpreis ausgezeichnet. Strittmatter verstarb bereits im Alter von 33 Jahren an einem Herzinfarkt.

"Thomas Strittmatter war einer der herausragendsten jungen Theater-, vor allen Dingen aber auch Drehbuchautoren, die in der Bundesrepublik gewirkt haben und die beiden Regisseure Jan Schütte und Didi Danquart, die vor allem mit ihm gearbeitet haben, sind ebenfalls dem Land eng verbunden", begründete die damalige MFG-Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer die Umbenennung des von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg gestifteten Preises von "Baden-Württembergischer Drehbuchpreis" in "Thomas Strittmatter Preis" im Jahr 2008.

In seiner Laudatio während der Preisverleihung am 13. Februar 2008 beschreibt Jan Schütte Thomas Strittmatter als einen "Geschichtenerzähler, der auch unterhalten wollte, der Sinn für Witz und Ironie hatte, und Lust an der Komik des Alltäglichen".

Einreichung Drehbuchpreis

Die Richtlinien für die Einreichung zum Thomas Strittmatter Preis auf einen Blick.