Thomas Strittmatter Preis

Mit dem Thomas Strittmatter Preis zeichnet die MFG Filmförderung Autorinnen und Autoren für qualitativ hochwertige Drehbücher aus. Prämiert werden Fernseh- oder Kinostoffe mit einem Bezug zu Baden-Württemberg. Der nach dem jung verstorbenen Autor Thomas Strittmatter benannte Drehbuchpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird alljährlich während der Berlinale im Rahmen einer feierlichen Gala verliehen.

Die Bewerbungsfrist für den Thomas Strittmatter Preis 2023 ist der 13. Oktober 2022.
 

Thomas Strittmatter Preis

Die Preisverleihung 2022

Sehen Sie hier den Film zur Verleihung des Thomas Strittmatter Preises 2022:

Preisträgerin 2022

Die Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, Chiara Fleischhacker (28), wurde in Berlin mit dem Thomas Strittmatter Preis 2022 ausgezeichnet. Den renommierten Drehbuchpreis erhält die junge Filmemacherin für das Drehbuch „Vena“. In dem Sozialdrama geht es um eine junge, schwangere und drogenabhängige Mutter, die versucht, sich von der Droge Crystal Meth zu befreien und ihre Tochter nach der Geburt zu behalten. Die Auszeichnung bekam Chiara Fleischhacker in der Landesvertretung Baden-Württemberg von MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen überreicht. Staatssekretärin Petra Olschowski gratulierte Chiara Fleischhacker per Videobotschaft zu ihrem Preis. Im Anschluss las Schauspielerin Nellie Thalbach Auszüge aus dem Drehbuch. Ein Video von der Übergabe ist hier zu sehen.

Der angesehene, von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg verliehene Drehbuch-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Auch die Nominierten erhalten jeweils 2.500 € Preisgeld. Carl Bergengruen (Geschäftsführer MFG) überreichte die Auszeichnungen im Kontext der Berlinale in der Landesvertretung Baden-Württemberg. Die Quote der Verfilmungen von Drehbüchern, die mit dem Thomas-Strittmatter-Preis ausgezeichnet wurden, liegt bei rund 90 Prozent.

Neben der Juryvorsitzenden Heide Schwochow, einer der renommiertesten Drehbuchautorinnen Deutschlands, waren die Drehbuchautoren und Regisseure Damir Lukacevic („Heimkehr“, „Transfer“, „Ein nasser Hund“) und Burhan Qurbani („Berlin Alexanderplatz“, „Wir sind jung. Wir sind stark“, „Shahada“) Mitglieder der Jury. Aus ca. 40 vierzig anonymisierten Einreichungen hatten die Juror*innen vier Drehbücher ausgesucht und für den Preis nominiert. Bereits die Nominierung ist mit einem Preisgeld von je 2.500 Euro verbunden. Neben dem Siegerdrehbuch „Vena“ waren Dennis Todorovic für „Five Songs for the Patriarchy“, Oliver Kracht für „Fettes Leben“ sowie Michael Glasauer und Tarek Roehlinger für „Tag X“ auf der Nominiertenliste.

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, sagte: „Mit dem Thomas Strittmatter Preis zeichnen wir herausragende Drehbücher aus und fördern damit ihre Autorinnen und Autoren auf dem Weg zur Verfilmung. Ich gratuliere Chiara Fleischhacker zu diesem sensiblen und großartigen Drehbuch, das die Jury überzeugt hat. Dass der diesjährige Preis an eine Studentin der Filmakademie Baden-Württemberg geht, zeugt von der hohen Qualität der Ausbildung dort.“
Zur Filmförderung in Baden-Württemberg allgemein ergänzte Petra Olschowski: „Auch mit der Fortschreibung der Filmkonzeption setzen wir uns in Baden-Württemberg nachdrücklich dafür ein, die Situation unserer Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren weiter zu verbessern. So können über das erweiterte Förderprogramm „Incentive Funding“ Produktionsfirmen gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren mehr Stoffe als bisher parallel entwickeln und bereits in einem frühen Stadium damit auf Sender oder Plattformen zugehen.“

 

Aus der Laudatio von Heide Schwochow

Juryvorsitzende Heide Schwochow hob in ihrer Laudatio die Tiefenschärfe der Personenzeichnung und die Zuneigung der Autorin zu ihren Figuren hervor: „Was Chiara Fleischhacker in ihrem Drehbuch zeigt, ist die Liebe zum Detail: eine Präzision in den Beschreibungen, eine Feinzeichnung ihrer Figuren, die sie mag, das Finden von speziellen Situationen bis in den Nebenstrang und in die Nebenfiguren hinein. Wunderbare Momente. Tiefe und Leichtigkeit. Aber auch die Entscheidung, auf Gegenspieler zu verzichten. Jennys Welt ist kaputt, oder sagen wir: „prekär“. Ihre Abhängigkeit von den Drogen ist existentiell. Ja, aber sie erfährt in ihren Begegnungen mit anderen Menschen trotzdem Respekt. Auch eine Art Liebe, ohne dass es jemals kitschig wird.“

Erfolgreiche Verfilmungen des Drehbuchpreises

Seit der Stiftung des Thomas Strittmatter Preises wurden sowohl junge Talente als auch etablierte Autor*innen zu Preisträger*innen gekürt. Die Auszeichnung ermöglicht den Autor*innen ein freies Arbeiten auf dem Weg zum fertigen Film und führte damit erfolgreich zur Verwirklichung vieler Drehbücher. Die Quote der Verfilmungen liegt bei rund 90 Prozent. 

2019 gewann die Thomas Strittmatter Preis-Trägerin Nora Fingscheidt für SYSTEMSPRENGER den Silbernen Bären/Alfred Bauer Preis. In den Jahren zuvor wurden ES KOMMT DER TAG (2008) von Susanne Schneider, BIS AUFS BLUT - BRÜDER AUF BEWÄHRUNG (2009) von Oliver Kienle, FESTUNG (2010) von Nicole Armbruster, FÜNF JAHRE LEBEN (2011) von Stefan Schaller, WILLKOMMEN BEI HABIB (2012) von Michael Baumann und Sabine Westermaier, DIE BLUMEN VON GESTERN (2013) von Chris Kraus sowie zuletzt ZUCKERSAND (2003) von Dirk Kummer verfilmt.

Hintergrundinformationen

Der am 18. Dezember 1961 in St. Georgen geborene Thomas Strittmatter verfasste zahlreiche Hörspiele, Romane und Drehbücher und studierte darüber hinaus Malerei an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe. Als Drehbuchautor schrieb er nach "Polenweiher" die Filmvorlagen für "Drachenfutter", "Das Königsstechen", "Winckelmanns Reisen", "Auf Wiedersehen Amerika", "Bohai Bohau" und "Viehjud Levi". 1994 wurde er mit dem Bayerischen Filmpreis-Drehbuchpreis ausgezeichnet. Strittmatter verstarb bereits im Alter von 33 Jahren an einem Herzinfarkt.

"Thomas Strittmatter war einer der herausragendsten jungen Theater-, vor allen Dingen aber auch Drehbuchautoren, die in der Bundesrepublik gewirkt haben und die beiden Regisseur*innen Jan Schütte und Didi Danquart, die vor allem mit ihm gearbeitet haben, sind ebenfalls dem Land eng verbunden", begründete die damalige MFG-Geschäftsführerin Gabriele Röthemeyer die Umbenennung des von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg gestifteten Preises von "Baden-Württembergischer Drehbuchpreis" in "Thomas Strittmatter Preis" im Jahr 2008.

In seiner Laudatio während der Preisverleihung am 13. Februar 2008 beschreibt Jan Schütte Thomas Strittmatter als einen "Geschichtenerzähler, der auch unterhalten wollte, der Sinn für Witz und Ironie hatte, und Lust an der Komik des Alltäglichen".

Einreichung Drehbuchpreis

Die Richtlinien für die Einreichung zum Thomas Strittmatter Preis auf einen Blick.

Johanna Gabor
Johanna Gabor De Giovanni

Projektmanagerin Drehbuch- und Entwicklungsförderung

Unit Filmförderung