Aktuelles zur 27. Filmschau Baden-Württemberg

Vom 1. bis 5. Dezember 2021 findet das Filmfestival in den Stuttgarter Innenstadtkinos statt. Der MFG-geförderte Film „Gracious Night“ eröffnet die Filmschau

Filmstill aus „Gracious Night“ von Mika Kaurismäki
Der von der MFG geförderte Film „Gracious Night“ von Mika Kaurismäki wird die Filmschau eröffnen. | Bild: Filmschau Baden-Württemberg

Die 27. Filmschau Baden-Württemberg darf unter 2 G plus ins Kino und präsentiert mit 100 neuen Filmen aus dem Südwesten einen einmaligen Überblick über das aktuelle Filmschaffen im Land.

Eröffnet wird die 27. Filmschau Baden-Württemberg am Mittwoch, 1. Dezember 2021, um 20 Uhr im Gloria Kino in Stuttgart-Mitte. Das Filmprogramm läuft in den Innenstadt Kinos Stuttgart und die Preisverleihung findet am Sonntag, 5. Dezember 2021, ab 19 Uhr in der Kultur-Lounge Dürnitz im Alten Schloss am Stuttgarter Schlossplatz. Es gilt nach dem heutigem Planungsstand 2G.

Programm

Im Programm laufen u. a. die MFG-geförderten FilmeGracious Night“ von Mika Kaurismäki (Eröffnungsfilm der Filmschau Baden-Württemberg), „Salamandra“ von Alex Carvalho, „Borga“ von York-Fabian Raabe, „Mein Fremdes Land“ von Johannes Preuss, „Dear Future Children“ von Franz Böhm und „Benztown“ von Gottfried Mentor.

Wie viel Baden-Württemberg im aktuellen Kino- und Fernsehprogramm steckt, verrät die 27. Filmschau Baden-Württemberg vom 1. bis 5. Dezember unter 2 G plus in den Stuttgarter Innenstadt Kinos. Das Programm umfasst 100 neue Filme, die im Bundesland entstanden sind oder Geld aus den Fördertöpfen erhalten haben. Das Publikum darf sich auf einen Studenten- Oscar-Gewinner, eine Oscar-Kandidatin, Deutschland- und Baden-Württemberg-Premieren und vielen Neuentdeckungen aus dem Südwesten freuen. Zum Abschluss werden am Sonntag, 5. Dezember, die mit insgesamt 14.000 Euro dotierten Baden-Württembergischen Filmpreise in den Kategorien Spiel-, Kurz-, Dokumentar-, Werbe- und Animationsfilm sowie im Wettbewerb um den Jugendfilmpreis vergeben. Der diesjährige Baden-Württembergische Ehrenfilmpreis geht an den Freiburger Stummfilmmusiker Günter A. Buchwald. Festivalkinos sind die Innenstadt Kinos Stuttgart (EM, Cinema und Gloria), es gelten die 2 G plus Regeln (geimpft oder genesen jeweils mit Schnelltest und der Kinosaal darf nur zu 50 Prozent besetzt sein). In der Gloria-Passage befindet sich ein Zentrum für kostenlose Schnelltests. Die Preisverleihung findet statt in der Dürnitz Kulturlounge im Landesmuseum Württemberg.

Los geht’s am Mittwoch, 5. Dezember mit Mika Kaurismäkis neuem Spielfilm 'Gracious Night' aus Finnland. Die deutsch-französisch-brasilianische Produktion 'Salamandra' von Alex Carvalho feiert nach seiner Weltpremiere in Venedig in Stuttgart seine deutsche Erstaufführung. Das Publikum der 27. Filmschau Baden-Württemberg darf sich also auf das Beste des Filmjahrgangs freuen. Zu den Highlights gehören Maria Schraders deutscher Oscar- Kandidat 'Ich bin dein Mensch', Tim Fehlbaums postapokalyptischer Thriller 'Tides' und der mit Preisen überschüttete Spielfilm 'Borga' von York-Fabian Raabe. Ein großes Fest im Kinosaal versprich die Baden-Württemberg-Premiere des Dokumentarfilms 'Mein fremdes Land' von Johannes Preuss und Marius Brüning zu werden. Der mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnete Kurzfilm 'Tala'Vision' von Murad Abu Eisheh aus Jordanien (Filmakademie Baden-Württemberg) bringt Hollywood-Glanz. Stuttgarts Star-Choreograf Eric Gauthier präsentiert im Programm der Landesfilmschau erstmals 'The Dying Swans Project. Director‘s Cut'.

Kontrovers, kosmopolitisch, futuristisch – Schwerpunktthemen: Die Klimakatastrophe und künstliche Intelligenz liefern den Stoff für sehr viele Festivalfilme. In Tim Fehlbaums mehrfach preisgekrönten Science-Fiction-Thriller 'Tides' kehrt ein Erkundungsteam zurück auf die verwüstete Erde. Franz Böhms preisgekrönter Dokumentarfilm 'Dear Future Children' gibt jungen Klimaaktivist*innen eine Stimme. Willi Kubica stellt in seinem Spielfilm 'Endjährig' die heutigen Generationskonflikte radikal auf den Kopf und präsentiert eine Gesellschaft, in der Menschen ein Ablaufdatum haben. Sinje Köhler, die 2017 für 'Freibadsinfonie' mit dem Baden-Württembergischen Filmpreis in der Kategorie Kurzfilm ausgezeichnet wurde, beobachtet in ihrem Spielfilm-Debüt 'Viva Forever' eine Clique, die seit Jahren die Sommerferien gemeinsam am Gardasee verbringt – bis sich unterschwellige Konflikte in der Gruppe entladen. 'Borga', das sind in Ghana Landsleute, die es im Ausland zu etwas gebracht haben. 'Borga' heißt York-Fabian Raabes Spielfilm, der das Leben in der Fremde aus der Sicht eines Flüchtlings aus dem Westen Afrikas schildert.

Kurzfilme

Unglaubliche, alltägliche und wunderschöne Geschichten – Shorts für alle: In den drei Kurzfilmblöcken geht es um Leben und Zusammenleben, Wohnungsnot, Streiche spielen, Elektrosensibilität, Kriminalität und spannende, ungewöhnliche Begegnungen im familiären Umfeld oder mit Fremden. In 'Männerabend' von Ares Ceylan bringen die Mitbewohner einer WG einem Vater die Sachen seines verstorbenen Sohnes zurück. Der Abend entwickelt sich ganz anders als gedacht. Mit 'Le Normcore' lädt Katrin Sikora das Publikum zu einem amüsanten Samstagabend mit dem Ehepaar Robert und Tea Biedermann ein.

Dokumentarfilme

Herzergreifend, aufrüttelnd und berührend – starke Dokumentarfilme: 'Mein fremdes Land' von Johannes Preuss und Marius Brüning ist eine sehr emotionale Suche nach den eigenen Wurzeln und der Identität. Manuel Sosnowski wurde als einjähriges Baby in Bolivien von einer deutschen Familie adoptiert. 31 Jahre später macht sich der Editor aus Ludwigsburg in seinem Geburtsland auf die Suche nach seiner Mutter. Tränen, Blicke und Umarmungen, wo die unterschiedlichen Sprachen versagen. Außerdem lernt das Publikum in 'Namibia's Number Nine' von Stephanie Constantin und Sarah Lanz eine Fußballerin aus dem Team von Namibia und schwierigen Alltag der Spielerin kennen oder begleitet in 'Mission Abroad – Erfahrungen fürs Leben' von Kurt K. Eifler Auslandseinsätze der Polizei. Andreas Hezel schlägt in 'SABA Supernova' die spannende Chronik eines verschwundenen Rundfunkgeräteherstellers aus dem Schwarzwald auf. Für 'Fallende Blätter' von Cyrill Gundlach, Danijel Marsanic und Lorenzo Oschwald schmuggelt sich ein Protagonist ins Stuttgarter Obdachlosen-Milieu und lernt dessen Rang- und Hackordnungen sowie die Auftritte von Banden, die Bettler kontrollieren, hautnah kennen. 'Mein Vietnam' von Hien May und Tim Ellrich geht der Frage nach, wo sich ein Ehepaar aus Vietnam wirklich daheim fühlt. Es lebt schon lange in Deutschland und hält über Videotelefonate engen Kontakt zu der Verwandtschaft in Vietnam. Insgesamt zehn Dokumentarfilme zeigt die Landesfilmschau.

Trickfilme

Vieles zum Schmunzeln, Staunen, Nachdenken – die Trickfilme: Ein Animationsfilm macht Stuttgart zum Trickfilmstar: 'Benztown' von Gottfried Mentor betrachtet auf amüsante Form die Rolle des 'Heiligs Blechle' in der Autohauptstadt. Der diesjährige Animations-Mix greift Stoffe für Kinder und anspruchsvolle Trickfilme für Erwachsene auf; darunter auch Hybrid- Filme, die Animation, VFX und Realfilm (‚Helga‘ von Maud Mascré und Johann Schilling) zusammenbringen. In unserem Programm geht’s um Sterben in der Zukunft (‚St. Android‘ von Lukas von Berg), den Rechtsruck in Sachsen (‚Obervogelgesang‘ von Ferdinand Ehrhardt und Elias Weinberger) oder Elitesoldaten (‚Into the Cutezone‘ von Niklas Wolff).

‚The Dying Swans Project‘

Ein besonderes Highlight der 27. Filmschau Baden-Württemberg bringt Eric Gauthiers preisgekröntes ‚The Dying Swans Project‘ als Director’s Cut auf die große Leinwand. Nach vier erfolgreichen Kooperationen mit der Company – ‚Threesome‘ (2011), ‚Poppea//Poppea‘ (2013, ‚Dancing Beyond‘ (2015) und ‚Dance Around the World‘ (2019) kommt Eric Gauthiers großer Coup des Pandemiejahres 2021 in einem bislang nie gezeigten Format. Live im Kino zu Wort kommen auch die Kreativen hinter der Kamera und Jörg Howe vom Daimler-Netzwerk ‚be a mover‘. Die 16 Dance-Solos sind auch im Rennern um den ‚Rose d’Or Award 2021‘.

Special Guest

Als Special-Guest der Landesfilmschau verantwortet Prof. Dr. Joachim Lang vom SWR. Der Film „Mein fremdes Land“ entstand in seiner Redaktion. Die SWR-Koproduktion ist ein Projekt ehemaliger Studierender der Filmakademie Baden-Württemberg und entstand in der Nachfolge des Förderprogramms ‚Junges Programm‘, das seit 2008 unter der Leitung von Joachim A. Lang besteht. Die Redaktion auch des Studenten-Oscar-Gewinners ‚Tala’Vision‘ von Murad Abu Eisheh aus Jordanien hatten Joachim A. Lang und Katharina Kontny.

18. Jugendfilmpreis Baden-Württemberg

Beim 18. Jugendfilmpreis Baden-Württemberg stellen die Hoffnungsträger*innen aus dem Südwesten im Rahmen der Landesfilmschau ihre neuen Filme vor. Eröffnet wird der wichtige Wettbewerb am Donnerstag, 2. Dezember, 16 Uhr im Cinema mit den Filmen ‚Die Pakete‘ von Cornelius Baum und Kasper Rafn, ‚Die unendliche Nähe zu den Sternen‘ von Nick Lörcher und ‚Lieber Dimi‘ von Ignatios Manolopoulos. Bis zur Preisverleihung am Sonntag wird ein volles Programm geboten (www.jugendfilmpreis.de).

Weitere Informationen zur Filmschau

Dem Programmteam standen mehr Filme zur Auswahl als das neue, kleinere Zeitfenster im Kino für die Filmschau zulässt. Im Metropol liefen an fünf Tagen in drei Kinosälen bis zu 150 Festivalbeiträge. Bewusst entschied sich das Programm-Team gegen eine Aufteilung in Präsenz und Online. „Wir wollten kein Zwei-Klassen-Programm – wer darf auf die Leinwand, wer muss ins Netz. So hätten es zwar mehr Filme ins Programm geschafft; aber wir gaben der erlebbaren Festivalatmosphäre den Vorzug“, gibt Programmleiterin Elisa Kromeier zu bedenken. Trotzdem bietet die Filmschau 50 sehenswerte Filme, davon laufen 25 in den Wettbewerben um die Baden-Württembergischen Filmpreise.

Nicht erst seit Corona-Regeln und Lockdown sind die Filmfestivals insgesamt im Umbruch. „Die Landesfilmschau versucht zu beantworten, wie die Transformation der Filmkultur weitergeht. Die weltoffene Bodenständigkeit der Filmszene Südwest wird auch diesen Trend hinterfragen und die Zuschauer*innen mit eigenen Lösungen angenehm überraschen. Was dann wieder auf einer Landesfilmschau, dem Trendsetter und Schaufenster für Filme von hier, erlebt werden kann,“ sagt Festivalleiter Oliver Mahn.

Baden-Württembergischer Ehrenfilmpreis 2021

Der Dirigent, Komponist, Pianist und Violinist Günter A. Buchwald (69) aus Freiburg wird mit dem diesjährigen Baden-Württembergischen Ehrenfilmpreis ausgezeichnet. Der undotierte Preis wird bei der 27. Filmschau Baden-Württemberg (1. bis 5. Dezember 2021) in Stuttgart vergeben. Mit der Auszeichnung werden Menschen geehrt, die den Medien- und Filmstandort Baden-Württemberg mitgestalten, durch ihre Arbeit nachhaltig unterstützen und einen wichtigen Beitrag zur Wahrnehmung des Standortes auch über die Landesgrenzen hinaus leisten, so das Filmbüro Baden-Württemberg. Günter A. Buchwald gehört zu den eher stillen Stars im Südwesten, der einer der wenigen weltweit gefragten Stummfilmmusiker ist und in Zusammenarbeit mit internationalen Filmarchiven das Erbe der frühen Filmgeschichte rettet, bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Als Solist, mit der von ihm gegründeten Silent Movie Music Company oder großen Orchestern ist der Mitbegründer der Stummfilm-Renaissance seit 1978 ein geschätzter Interpret auf den großen Stummfilmfestivals der Welt. Aus San Francisco, Kyoto, Tampere, Bristol, Zürich oder Wien rufen die Veranstalter in Freiburg an, um Buchwald für große Silent-Movie-Events zu gewinnen. Er schreibt ebenso für restaurierte stumme Klassiker der Universal Studios in Hollywood die Musik oder spielt vor großem Publikum die noch erhaltenen original Kompositionen. Gastspiele in kleinen Filmtheatern im Schwarzwald gehören ebenso zu seinen Herzensprojekten wie etwa die Uraufführung des 'Golem' im Konzerthaus Wien mit Giora Feidman und dem Arditti Streichquartett. Zuletzt wurde seine Komposition zum restaurierten Klassiker ‚Casanova‘ von Alexander Wolkoff aus dem Jahre 1927 mit dem ‚L’Orchestre National de Lyon‘ von Publikum und Medien in Frankreich stürmisch gefeiert. Sein Repertoire umfasst 3.500 Stummfilme.

Im Rahmen der 22. Filmschau Baden-Württemberg 2016 steuerte Buchwald gemeinsam mit dem Schlagzeuger Frank Bockius die Live-Musik für die Deutschlandpremiere des restaurierten Klassikers 'The Last Warning' aus dem Jahr 1929 bei. Universal in Hollywood favorisierte den Freiburger für diese einmalige Premiere im Carl-Laemmle-Jubiläumsjahr. Im Rahmen der historischen Filmarbeit gibt es auch dank Günter A. Buchwald eine lebendige Pflege des Stummfilms. Der Stummfilmmusiker ist bestens vernetzt mit Archivaren und Filmfestival um die alten Filme wieder ins Kino zu bringen und lebendig zu machen.

„Momentan befinden wir uns in einer sehr wichtigen Phase, in der die alten Stummfilmschätze restauriert und digitalisiert werden. Manche Filme sind zwar unwiederbringlich verloren, nur ihre Titel sind noch bekannt“, gibt er zu bedenken. Wenn sich Filmarchive und Stummfilmmusiker nicht gegenseitig animieren würden, wäre mancher Film nicht restauriert worden. Denn die Musiker schaffen eine Öffentlichkeit, um diese Filme einem größeren Publikum bekannt zu machen. Eines, so gestand er bei der Premiere in Stuttgart, würde ihn wirklich interessieren, ob es irgendwo von Carl Laemmles 'Der Glöckner von Notre Dame' noch ein vollständiges Original der Notenblätter gibt.

Günter A. Buchwald war das große Glück vergönnt, noch vielen Zeugen aus der Stummfilmzeit zu begegnen. Auf der Berlinale 1995, wo er in der Retrospektive '100 Jahre Kino' einen Stummfilm von Buster Keaton begleitete, schüttelte ihm hinterher Eleonor Keaton, die Witwe des unvergessenen Stummfilmstars, die Hände. Buchwald traf Charlie Chaplins Kinder oder Jean Darling, das kleine Mädchen mit den weißen Locken aus 'Kleine Strolche'.

Sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ist und bleibt seine Geburtsstadt Freiburg. Buchwald ist seit 2007 ständiger Gastdirigent des Freiburger Philharmonischen Orchesters, lehrte Musikpädagogik am Jazzcampus der Schweizer Hochschule für Musik Basel und ist Gastdozent für Filmmusik an den Universitäten Zürich und Freiburg. Günter A. Buchwald ist musikalischer Leiter des ‚Bristol Slapstick Silent Festivals‘, wo der ‚Pink Panther‘-Animator Richard Williams in seiner ‚Bristol Band‘ lange Zeit Trompete spielte. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Reinhold-Schneider-Kulturpreis der Stadt Freiburg, der Goldenen Filmspule der Kommunalen Kinos des Allgäus, dem Preis des Zeltmusikfestivals Freiburg und dem Prix Européens der Regiostiftung Oberrhein.

Quelle: Filmschau Baden-Württemberg

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