»Wo ist mein Safe Space?«

Emilia Wieding

Wie rassistisch ist unser Land? Wie gehen wir in Deutschland mit Rassismus um? Es wird viel gegen Rassis mus getan – aber ist es genug? Die Regisseurin EMILIA WIEDING hat sich zum Ziel gemacht, mit ihrem Dokumentarfilm »Wo ist mein Safe Space?« darüber aufzuklären, was es bedeutet in Deutschland zu leben, wenn man keine weiße Hautfarbe hat.

Text: MARTIN SCHWIMMER, DOMINIK UTZ | DOMAR-FILM.DE

Mit Ausbreitung der Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA und über ihre Grenzen hinaus, sind Rassismus und Anti-Rassismus zu großen medialen Themen geworden. Hierzu lande assoziieren viele mit Rassist*innen immer noch Glatzen und Springerstiefel. Dabei sitzt Rassismus viel tiefer in unserer Gesellschaft. Gerade Rassismus gegen Schwarze Menschen hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Für viele People of Color sind Anfeindungen und sogenannte Mikroaggressionen in Deutschland an der Tagesordnung. Falsche Stereotype, diskriminierende Sprache und lückenhafte Bildung sind die Bausteine, auf denen Rassismus gedeiht.

»Rassismus gedeiht da, wo er geleugnet wird.«
Doudou Diène Jurist und ehemaliger Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen

In Blaubeuren treffen wir uns mit Teresa, Sam und Yasmin. Sie setzen sich für die Aufarbeitung im Geschichtsunterricht ein und haben eine Petition für das Land Baden-Württemberg gestartet, in der sie fordern, die deutsche Kolonialgeschichte intensiver aufzuarbeiten und sie aus der anti-rassistischen Perspektive zu lehren. Das in Schulbüchern gezeichnete Bild von Afrika sehen sie als problematisch an. Der deutsche Kolonialismus und die daraus entstandene Diskriminierung von Schwarzen Menschen führen bis heute zu verletzender Sprache und medialen Stereotypen. »Wir müssen Anti-Rassisten ausbilden und schon in der Grundschule anfangen«, sagen die Protagonistinnen. Die Oberbürgermeister von Biberach und Ravensburg haben die Petition unterzeichnet und die drei Frauen kommen bereits auf rund 100.000 Unterschriften.

In Hamburg sieht sich Charlotte gerade ein Video von der N-Wort-Demo vom Februar 2020 an. Die Journalistin kämpft seit einem Jahr dafür, dass das diskriminierende Wort geächtet wird. Sie hat Gespräche mit Beamt*innen geführt, auf Social Media diskutiert, Interviews gegeben und an Talk Shows teilgenommen. Nicht immer erntet sie dafür nur Gegenliebe: »Sich als Schwarze Frau diesen Debatten zu stellen ist noch einmal mehr eine Herausforderung. Wenn ich wütend bin, bin ich die ›Angry Black Woman‹. Wenn ich sachlich bleibe, bin ich gefühllos. Wenn ich keine Gefühle zeige, bin ich die ›Strong Black Woman‹.«

Während Charlotte sich auf den nächsten TV-Auftritt vorbereitet, arbeitet Nicole an einem Workshop für Eltern von Children of Color. Nicole ist weiß, ihr Ehemann Jeff stammt aus Nigeria. Nachdem ihr Sohn in der Klasse eine Kinderdoku über Afrika angesehen hat, wurde er von anderen Kindern als »Sklave« bezeichnet. Das hat ihn zunächst verletzt, aber Dank des Empowerments durch seinen Vater macht er sich nichts mehr daraus. »Da, wo ich herkomme, gab es Könige und Königinnen.« Viele Eltern weißer Kinder ignorieren den Wunsch von Nicole und Jeff, einen Anti-Rassismus-Workshop in der Schule anzubieten. »Rassismus gibt es hier nicht«, sagen sie dann. Nicole lässt sich davon nicht entmutigen. Sie ist eine der wenigen weißen treibenden Kräfte der Anti-Rassismus-Bewegung.

Was alle Protagonist*innen unseres Dokumentarfilmes eint: Sie wollen anti-Schwarzen und anti-migrantischen Rassismus in Deutschland bekämpfen und somit sichere Umgebungen für die nachkommenden Generationen realisieren. Sie erschaffen Safe Spaces. Die Frauen kämpfen gegen diskriminierende Sprache, mediale Stereotype und ein Bildungssystem, das uns einen Teil deutscher Geschichte verschweigt. Doch was oft vergessen wird: Die Resilienz hat ihren Preis. Sie setzen sich mit ihrem Engagement noch mehr Rassismus aus. Wie lange können sie das durchhalten? Wie gehen sie damit um?

»In a racist society it is not enough to be non-racist. We must be anti-racist.«
Angela Davis Menschenrechtsaktivistin

»Wo ist mein Safe Space?« ist ein Dokumentarfilm, der sich mit dem Aktivismus hinter der Bühne beschäftigt und Einblicke in die Gefühlswelt der Akteur*innen gibt. Gedreht wird »Wo ist mein Safe Space?« in verschiedenen Teilen Baden-Württembergs, in Frankfurt und Hamburg. Für die Bildgestaltung ist die österreichische Kamerafrau VERENA MÜHLING verantwortlich. Die Dreharbeiten werden noch bis Frühjahr 2022 dauern.

How racist is our country? How do we handle racism in Germany? Much has been done in the fight against racism – but is it enough? With her documentary “Where is My Safe Space?”, director EMILIA WIEDING aims at shedding light on what living in Germany and not being white means.

Text: MARTIN SCHWIMMER, DOMINIK UTZ | DOMAR-FILM.DE
With the the spread of the Black Lives Matter movement in the US and beyond, racism and anti-racism have become big issues in the media. Here, racists are still associated with bald heads and combat boots. But racism is rooted much deeper in our society. Especially racism against black people has a tradition that goes back hundreds of years. In Germany, many people of color are facing hosti lities and so-called micro-aggressions on a daily basis. Wrong stereotypes, discriminating language and patchy education are the components that make racism thrive.

What unites all of the protagonists in this documentary is the fact that they want to fight anti-black and anti-migrant racism in Germany and thus create safe environments for the next generations. They create safe spaces. The women fight against discriminatory language, stereotypes in the media, and an educational system concealing a part of our German history. What is often forgotten, though: the resilience comes at a price. Through their commitment, they are exposed to even more racism. How long will we be able to keep this up? How do we deal with it? "Where is My Safe Space?” is a documentary that explores activism behind the scenes and provides an insight into the emotional world of the protagonists.

The shooting of "Where is My Safe Space?” takes place in various parts of Baden-Württemberg, Frankfurt and Ham burg. The Austrian cinematographer VERENA MÜHLING is in charge of the image composition. Shooting will continue until spring 2022.

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